Kunsthalle Recklinghausen

Große-Perdekamp-Str. 25–27 | 45657 Recklinghausen

Christus Pantokrator. Byzanz, 15. Jh. Geschenk von Dr. Reiner Zerlin, Brühl, 2019. Foto: Jürgen Spiler

Muttergottes von Smolensk, Russland, um 1500. Geschenk von Dr. Reiner Zerlin, Brühl, 2019. Foto: Jürgen Spiler

Himmlischer Glanz

Die Ikonen-Sammlung Zerlin

Von Anna Thiemann – Eine spektakuläre Schenkung des passionierten Kunstsammlers Dr. Reiner Zerlin an das Ikonen-Museum Recklinghausen ist Anlass für eine be-eindruckende Sonderausstellung, die bis Ende August in der Kunsthalle Recklinghausen gastiert. Die Werkschau gibt Einblicke in alle Themen der sakralen Kunst und umfasst auch Objekte aus dem Bereich der Alltagsfrömmigkeit sowie liturgische Gegenstände, die bisher nicht in der Sammlung des Museums vertreten waren. Ein weiteres Highlight ist eine rare Christus-Ikone aus byzantinischer Zeit, die neben griechischen und russischen Heiligenbildern aus dem 15.–17. Jh. gezeigt werden.

Die Ikonenkunst erwuchs aus der spätantiken Porträtmalerei und erlebte ihre erste Blütezeit im Byzantinischen Reich (ca. 300 n. Chr bis 1453). Nach dem Ende dieser Ära etablierten sich die slawischen Länder, vor allem Russland, als neue Zentren der religiösen Kunstform. Obwohl sich für die Darstellung biblischer Personen und einzelner Heiliger schon früh ein fester Regelkanon herausbildete und die byzantinische Tradition einen starken Einfluss auf spätere Künstler hatte, entwickelten sich durchaus neue Stilrichtungen. So bevorzugten Ikonenmaler aus dem russischen Nowgorod Ocker- und Zinnobertöne, die ihren Werken eine besonders warme Farbgebung verliehen. Auch die Verwendungskontexte änderten sich im Laufe der Zeit. Während Heiligenbilder ursprünglich nur in religiösen Prozessionen und in Kirchen zu sehen waren, stieg ab dem 15. Jh. das Interesse an privaten Andachtsbildern, die in orthodoxen Häusern ihren Platz fanden oder wohlhabende Bürger auf ihren Reisen begleiteten. Die jahrhundertelange Reise von fast 250 religiösen Kunstwerken aus einer der größten Privatsammlungen Deutschlands endet nun in Recklinghausen, wo sie dauerhaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

bis 30.08.20

Kunsthalle Recklinghausen
Große-Perdekamp-Str. 25–27
45657 Recklinghausen
Tel. 02361-501931
Di–So 11–18 Uhr