Westfälischer Kunstverein

Ausstellungsansicht im Westfälischen Kunstverein Nel Aerts.

Ausstellungsansicht Nel Aerts. Foto: Thorsten Arendt

Ausstellungsansicht im Westfälischen Kunstverein Heiko Schäfer

Ausstellungsansicht Heiko Schäfer. Foto: Thorsten Arendt

Künstlerische (Selbst-)Porträts: Nel Aerts und Heiko Schäfer

Eine junge Malerin und Performancekünstlerin aus Antwerpen, die sich von Picasso und Stoffmustern inspirieren lässt, und ein aufstrebender Fotokünstler, der Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Wuppertaler Arbeiterinnen im Umgang mit komplexen Webmaschinen präsentiert. Auf ihre ganz eigene Art setzen sich die aktuellen Ausstellungen von Nel Aerts und Heiko Schäfer im Westfälischen Kunstverein mit Rollenbildern auseinander sowie mit der Frage, welche Rolle die Vergangenheit, d.h. die ‚männliche’ moderne Malerei einerseits und die klassische Fotografie andererseits, heute noch spielt.

Unter dem Motto „Haus der Wanderer“ verwandelt die belgische Künstlerin Nel Aerts den Westfälischen Kunstverein in einen heimeligen Ort, der ihr dynamisches Spiel mit verschiedenen Kunstformen und dem Stil moderner Avantgardisten illustriert. In der Ausstellungshalle laden bunte Hocker zum Verweilen ein. Die Sitzflächen zieren Stoffbilder – tragisch-komische Porträts menschenähnlicher und abstrakter Figuren mit Namen wie Herr Einsam oder Frau Zweckloser Träumer. An jedem Hocker hängt ein Booklet mit Postkarten und Fotos, die das Schaffen der Künstlerin dokumentieren. An der Wand tauchen die Figuren und verwendeten Stoffmuster wieder auf, diesmal jedoch auf Holz gemalt. Ebenfalls zu sehen sind Arbeiten, die als modern-abstrakte Selbstporträts lesbar sind, darunter ein Aktbild, in dem Aerts rauchend und mit großen Schritten eine Treppe hinabsteigt. Gemein ist den Werken, dass sie traditionelle Genderklischees in der Kunstwelt – so etwa die Dichotomien „Meister und Muse“ oder „‚männliche’ Kunst und ‚weibliche’ Handarbeit“ – raffiniert hinterfragen. Einige dieser Themen werden in Heiko Schäfers Fotoserie „Die Arbeit in und an Aufmachungen“ aufgegriffen, die die fortschreitende Automatisierung der ‚weiblichen’ Textilarbeit beleuchtet. | Anna Thiemann

bis 12.05.19

Westfälischer Kunstverein
Rothenburg 30
Tel. 0251-46157
Di–So 11–19 Uhr

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