Kunsthaus Kannen

Abbildung von Paul Berger. 500 Buddas

Paul Berger. 500 Buddas. Foto: Ralf Emmerich

Pokal von Hubertus Roerkohl

Hubertus Roerkohl. Foto: Ralf Emmerich

Aus einem Lehm: Die breite Schöpfung der Fantasie

Gebrannter Ton und Lehm sind die ältesten Werkstoffe der Geschichte. Schon vor tausenden Jahren verarbeiteten Menschen sie zu nützlichen Objekten, etwa zu Gefäßen. Sie fertigten aber auch Figuren oder Tierplastiken und ließen ihrer Kreativität freien Lauf. In „Alles aus Erde, Lehm und Ton“ zeigt das Kunsthaus Kannen derzeit, wie flexibel und vielfältig das Medium genutzt werden kann. Ausgestellt werden kleine Keramikarbeiten von sieben Künstlern, die in der Einrichtung für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ihr Schaffen unter der Betreuung von Kunsttherapeuten entfalten können.

Im Kunsthaus ragen bunte Vasen wie schiefe, fragile Türme in die Höhe. Ihre Gestalt wirkt organisch, ihre Form aber erinnert an menschliche Zivili-sation. Humorvolle Büsten wechseln sich mit künstlerisch hergestellten Fossilien aus dem Meer und kleinen Objekten ab, die ebenso abstrakt wie gegenständlich scheinen. Aus jedem Blickwinkel meint man etwas anderes zu erkennen. In der Ausstellung geht es um Farben und Oberflächen und ihre Wirkung – um das sinnlich Erfahrbare. Viele der Künstler arbeiten mit Wiederholung. Einer von ihnen hat zerbrechliche Wülste aus Ton gefertigt. Seine Arbeitsweise gleicht einer industriellen Technik, ist aber zugleich tief menschlich. So ist auch eine therapeutische, fast meditative Qualität des Mediums und der kreative Prozess hinter den Arbeiten deutlich erkennbar, die als Art Brut oder Outsider Art gelten. Man meint zu sehen, wie die Gedanken der Künstler zu klaren Formen werden. Ausgestellt sind Arbeiten von Paul Berger, Katharina Bendel, Helmut Licznierski, Roger Röggener, Hubertus Roerkohl, Helmut Schrameyer, Nicole Szlachetka. Und man kann auch selbst kreativ tätig werden: Die integrative Begegnungsstätte bietet parallel zur Ausstellung eine Mitmachaktion im Park vor dem Kunsthaus an. Alle Besucher, Bewohner, Patienten und Mitarbeiter sind eingeladen ein individuelles Haus aus verschiedenfarbigem Ton zu formen. Die Häuser werden zusammen auf einem großen Sandhaufen arrangiert, sodass sich am Ende ein originelles Tondorf ergibt. | Janneke Schoene

bis 29.09.19

Kunsthaus Kannen
Alexianerweg 9
48163 Münster
Tel. 02501-96620560
Di–So 13–17 Uhr

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