Kunsthalle Münster

Ausstellungsansicht Kunsthalle Münster

Untitled. o.J.

Dekonstruktion der Rollenzuweisung: Mary Beth Edelson

Wenn eine Künstlerin die weibliche Identität erforscht, indem sie die Ikonografie des Weiblichen dekonstruiert – dann Mary Beth Edelson. 1933 in East Chicago geboren, gilt sie als eine der wichtigsten feministischen Künstlerinnen der 1970er-Jahre. Subtil und humorvoll, ironisch und provozierend stellt sie Frauen als im Beauvoir’schen Sinne eigenständige Subjekte vor, die sich nicht über ihre Beziehung zum Mann definieren. In Edelsons erster deutscher Einzelausstellung sind in der Kunsthalle Münster Collagen, Fotografien, Plakatmotive und Malereien aus fünf Jahrzehnten ihres Schaffens zu sehen.

Der Parcours eröffnet mit zwei emblematischen Werkgruppen: Collagen und Cut Outs, deren Stofflichkeit so zart ist wie ihre energetische Wirkung stark. Zudem Plakate, auf denen die Künstlerin zugleich hegemoniale patriarchalische Werte unter die Lupe nimmt sowie reale Kollektive würdigt, in denen sie sich ab Mitte der 1970er Jahre bewegte. Allen voran in „Some Living American Women Artists/Last Supper“ (1972), das zum ikonischen Bild der feministischen Kunstbewegung wurde. Dort ist bereits die Geste des Überschreibens existierender Kunstgeschichte angelegt, die sich in der Ausstellung in vielen Arbeiten wiederfindet. So fotografierte sich die Künstlerin für die Serie „Women Rising“ (1973–1977) bei privaten Ritualen in der Natur und „überschrieb“ die Fotografien anschließend mit Verweisen auf kulturgeschichtlich relevante Frauenfiguren: die biblische Judit, Botticellis Venus, die griechische Göttin Baubo oder die hinduistische Göttin Kali. Werkgruppen aus den 1980er- und 1990er-Jahren zeigen wiederum Pop-Ikonen, Filmstars, Pin-Up-Girls und schießende Frauen, die metaphorisch für die Frauenbewegung, die Notwendigkeit politischer Aktion und die Emanzipation stehen. | Birgit Schlepütz

bis 10.03.19

Kunsthalle Münster
Hafenweg 28
48155 Münster
Tel. 0251-6744675
Di–Fr 14–19, Sa+So 12–18 Uhr

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