Theater Münster

Robert Nippoldt. Café Berlin. 2018

Robert Nippoldt. A Night in Berlin. 2017

Das Theater Münster feiert die Ära der Goldenen Zwanziger

Nicht erst seit der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ und der Verfilmung der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht sind die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts ins öffentliche Interesse gerückt. Aus Anlass der Proklamation der Weimarer Republik vor hundert Jahren widmet sich das Theater Münster unter Beteiligung namhafter Wissenschaftler mit 55 Veranstaltungen von November 2018 bis Juli 2019 in einem breit angelegten Panorama den Zwanziger Jahren in ihrer künstlerischen und kulturellen Vielfalt. Eine mit dem Schlosstheater Münster entwickelte Reihe mit Klassikern des Stumm- und frühen Tonfilms begleitet das Vortragsprogramm ab Januar 2019.

Das Erleben von Erstem Weltkrieg und Revolution, der Durchbruch der Demokratie, aber auch der technische Fortschritt und nicht zuletzt starke amerikanische Impulse machten die zwanziger Jahre in ihrer Ambivalenz und Vielschichtigkeit zu einer der schillerndsten Epochen der deutschen Kulturgeschichte. Die Weimarer Republik setzte in der kurzen Zeit ihrer Existenz in beispielloser Weise künstlerische Energie und Kreativität auf nahezu allen Gebieten frei. Die Vielfalt und Modernität der neu entwickelten Kunst- und Kulturformen sollten – nach ihrer repressiven Unterdrückung durch das NS-Regime – nach dem Zweiten Weltkrieg bis in unsere Gegenwart hinein inhaltlich und formal anregend sein und den Begriff der Moderne im 20. Jahrhundert nachhaltig prägen. In Malerei, Literatur, Architektur, Theater, Musik und Film tat sich ein Spannungsfeld auf, das von der Sozialkritik bis zur verabsolutierten Lust am Vergnügen reichte. Besonders prägend waren die führenden Kunstrichtungen des Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus. Das Bauhaus setzte Maßstäbe in Architektur und Design; Theater, Musik und Tanz entwickelten in ihren Avantgarden neue Stilformen; das Spektrum der Literatur umfasste die dichterische Aufarbeitung der Weltkriegserfahrungen aber auch den modernen Großstadtroman im Zeichen der Neuen Sachlichkeit.

Die Publikationen der Veranstaltungsreihe hat der münstersche Illustrator Robert Nippoldt gestaltet, der mit dem „Trio Größenwahn“ in einer poetischen Amüsier-Schau und einer Ausstellung am 29. Mai 2019 im Großen Haus des Theaters an das Berlin der 1920er Jahre erinnern wird. Ein mehrseitiges Faltblatt, das an der Theaterkasse erhältlich ist, informiert über Termine, Referenten und Vortragsthemen. Das Filmprogramm erscheint Anfang Dezember 2018.

Weimar – Republik der Moderne. Eine Kulturgeschichte der 1920er Jahre. Eine Vortrags- und Filmreihe des Theaters Münster in Kooperation mit dem Stadtmuseum Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Vorträge im 1. Quartal 2019:
02.01.19: Lyrik in der Weimarer Republik
07.01.19: Zur Physiognomie der Musikkultur der Weimarer Republik
14.01.19: Das Kino der Weimarer Republik
21.01.19: Die Sprachen der großen Stadt: Alfred Döblin und Zeitgenossen
28.01.19: Das Lachen Dadas in Berlin und seine Rezeptionsgeschichte
04.02.19: Songästhetik und politisches Musiktheater bei Brecht und Weill
11.02.19: Das Bauhaus. Schule – Erbe – Erfolgsmodell
18.02.19: Die Literatur und die Revolution in Deutschland 1918
25.02.19: Das große Jahrhundert der Philosophie 1919–1929
05.03.19: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Roman der Zwischenkriegszeit
11.03.19: Fotografie in der Weimarer Republik
18.03.19: Avantgarde-Theater in Deutschland 1918–33
25.03.19: Popularmusik der zwanziger Jahre

Die Veranstaltungen finden, wenn nicht anders genannt, im Theatertreff statt. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro)

Theater Münster
Neubrückenstr. 63
48143 Münster
Tel. 0251-5909-100
www.theater-muenster.com

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