Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Eine chinesische Gruppe von Soldaten. 1859

Die chinesischen Gabeln. 1858

Chronist seiner Zeit: Honoré Daumier in Münster

Honoré Daumier gilt als „Michelangelo der Karikatur“. Über Jahrzehnte hinweg hat der Franzose hunderte Gemälde, Handzeichnungen und fast 4000 Lithografien geschaffen, die humorvoll das aufkommende Massenzeitalter im 19. Jahrhundert in Frankreich dokumentieren. Unter seinen Bewunderern und Sammlern waren auch Künstler wie van Gogh, Degas und Picasso. Mit spitzer Feder erfassen Daumiers Arbeiten menschliche Stereotypen, Schwächen und Muster menschlichen Irrsinns, die noch heute aktuell sind und somit nicht an Witz verloren haben. In der Ausstellung „Die menschliche Komödie“ zeigt das Picassomuseum seinen künstlerischen Blick in den Abgrund des Menschseins. 

Das französische Bürgertum, vermeintliche Bildungsbürger, das Königs-haus, fremde Kulturen – immer sind es stereotype Charaktere, die Daumier auf seinen Karikaturen zeigt. Keine Individuen, sondern die breite Masse, mit der der Künstler die Verschrobenheit des menschlichen Seins herauskehrt. Schonungslos erfasst er menschliche Schwächen, Lächerlich- und Peinlichkeiten. Vor allem Bänker und Juristen – Typen, die man auch aktuell zuhauf findet – nimmt er aufs Korn. Aber selbst griechische Helden und Götter des Olymps sind nicht sicher vor Daumiers kritischem Blick. Sie werden auf die Erde geholt, vermenschlicht und als Konzept angreifbar gemacht. Natürlich ist der Blick des Künstlers auf kulturelle Stereotypen mitunter nicht mehr aktuell, sodass seine Werke auch einen Wandel sichtbar machen. Und schon zu seiner Zeit eckten viele seiner Arbeiten an: Der überzeugte Republikaner war auch pointierter Kommentator und Kritiker der geltenden monarchistischen Ordnung sowie des Kaiserreichs unter Napoleon und musste schließlich wegen Majestätsbeleidigung ins Gefängnis. Honoré Daumiers Arbeiten geben dem Bürgertum eine Stimme. Sie sind Ausdruck der Freiheit des Geistes und der Meinungsäußerung gegen Zensur. Die ausgestellten Exponate bewegen sich somit zwischen harmlosem Spaß und bitterem Ernst. | Janneke Schoene

02.02.–28.04.19

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48143 Münster
Tel. 0251-4144710
Di–So 10–18 Uhr

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