Kunstmuseum Ahlen

Museumsplatz 1 | 59227 Ahlen

ZONE 2. 2019. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Marseille. 1995. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Chaos und Ordnung in Balance

Jobst Tilmann – Anfang ohne Ende

Von Kerstin Schneider  Wer sich für abstrakte Malerei begeistert, dem sei die retrospektive Ausstellung von Jobst Tilmann ans Herz gelegt. Das Kunstmuseum Ahlen zeigt anlässlich des 70. Geburtstags des Malers über 150 seiner Werke aus mehr als 35 Schaffensjahren, die sowohl von Vielseitigkeit als auch konzeptueller Stringenz zeugen. Tilmann lebte jahrelang überwiegend in Frankreich, wo er sich schon früh von verlassenen Steinbrüchen inspirieren ließ. Seine Motive sind nicht figürlich, sondern losgelöst von Narration und Abbildung des Alltäglichen. Sie verweisen auf Motive und Fragen von beinahe philosophischer Natur und transportieren eine überraschende emotionale Intensität. 

In der Retrospektive lassen sich Jobst Tilmanns unterschiedliche und dennoch stringente Bildwelten erforschen. Seine Beobachtungen von geologischen Gestaltphänomenen inspirierten ihn zu linear strukturierter Malerei, die sich durch eine besondere Farbgebung auszeichnet. In den 1990er Jahren verband er klare orthogonale Ordnungen mit organischen Bewegungen. Durch gleichmäßige Pinselführung und naturnahe Farbwahl entstanden fein ausbalancierte Gemälde, die sowohl lebendig als auch ruhend wirken. In den letzten 15 Jahren seines Schaffens unterwanderte Tilmann diese Setzung zunehmend und entwickelte eine ganz neue Bildsprache: Er bedient sich nun der Elemente von bewusster Formgebung und Zufall, indem er leuchtende Farben auf Leinwände oder Papier spritzt, gießt, tropft und reibt. Anschließend übermalt er Teile dieser informell geschaffenen Ebene mit neutralem Grau. Die so entstehenden Kontraste zwischen ruhigen Flächen und organischen bunten Formen werfen Fragen auf: Welchen Regeln folgen die Übermalungen? Erschaffen sie Ordnung im Chaos oder verdecken sie es? In seinen aktuellsten Arbeiten geht Tilmann noch einen Schritt weiter: er entwickelt aus einzelnen Formen Skulpturen, die seine Abstraktionen im dreidimensionalen Raum erfahrbar werden lassen.

06.09.–22.11.20

Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1
Tel. 02382-91830
59227 Ahlen
Mi–Fr 14–18, Sa+So 11–18 Uhr