Marta Museum

Abbildung von Ettore Sottsass. Teekanne „The Indian Memory – Basilico“. 1987

Ettore Sottsass. Teekanne „The Indian Memory – Basilico“. 1987. Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden © VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Foto: Marcus Schneider

Abbildung von Marcello Panza. Vase. 1991.

Marcello Panza. Vase. 1991. Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden © VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Foto: Marcus Schneider

Barock statt Bauhaus: Design-Punk im Marta

Walter Gropius hätte sich beim Anblick der aktuellen Ausstellung im Marta wohl im Grabe umgedreht. Als Gegenakzent zum allgegenwärtigen Bauhaus-Jubiläum präsentiert das Herforder Museum Designobjekte, die einen radikal anderen Weg einschlagen. „Rebellische Pracht“ heißt die Schau, die sich den „Design-Punks“ der 1970er und 80er Jahre widmet. Legendäre Gestalter wie Ettore Sottsass, Mattheo Thun und Michele De Lucchi rebellierten mit überbordenden Formen, grellen Farben und luxuriöser Opulenz gegen die Eintönigkeit des Internationalen Stils. Rund 300 Exponate aus der Sammlung Anthologie Quartett werden erstmals im größeren Umfang präsentiert.

In barocker Pracht empfängt eine 18 Meter lange Tafel die Besucherinnen und Besucher. Designer wie Bořek Šípek beschränken sich nicht auf das Nötigste, sondern schwelgen in exzentrischer Fülle. Sie schaffen extravagante Kunstwerke der Luxusklasse anstelle nüchterner Gebrauchsgegenstände. Hier folgt die Funktion stets der originellen Form, die oft kurios und zuweilen – wie bei Riccardo Dalisis grinsendem Besteck – fast ein wenig albern daherkommt. Bewusst verspielt, angelehnt an Comics und Popkultur, rebellierten die Designerinnen und Designer gegen die Bauhaustradition. So erinnert Ettore Sottsass‘ grüne Teekanne nicht nur an fernöstliche Architekturen, sondern auch an Cartoons wie Micky-Maus oder die Looney Tunes. Auch das Ornament – vom Bauhaus als nutzlos erachtet – lässt die neue Designergeneration wiederaufleben. Flirrende Streifen und schrille Animalprints machen gewöhnliche Alltagsgegenstände zum Hingucker. Dennoch tauchen die Bauhausformen, die Würfel, Kugeln, Kegel und Zylinder, auch bei den „Design-Punks“ immer wieder auf. Radikal verfremdet, ironisch abgewandelt und in Bonbonfarben getaucht zeigen sie, wie sehr sich die Gestalter auch über fünfzig Jahre später an Gropius, Schlemmer und Co. abarbeiteten. Ob in radikaler Abkehr oder spielerischer Aneignung – dem Bauhaus entkommt am Ende niemand. | Katharina Stockmann

bis 01.09.19

Marta Herford
Goebenstr. 2–10
Tel. 05221-9944300
32052 Herford
Di–So 11–18 Uhr

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