Museum für Lackkunst Münster

Abbildung von Nobuyuki Tanaka. Inner Side – Outer Side. 2016

Nobuyuki Tanaka. Inner Side – Outer Side. 2016

Abbildung von Nobuyuki Tanaka. The Tactile Memory. 2011

Nobuyuki Tanaka. The Tactile Memory. 2011

Zurück zu den Ursprüngen: Die Lackarbeiten von Nobuyuki Tanaka

Die Arbeiten des renommierten zeitgenössischen Lackkünstlers Nobuyuki Tanaka, welche nun erstmals in einer europäischen Einzelausstellung zu sehen sind, setzen sich mit ‚Urformen’ auseinander. Obwohl dieser thematische Fokus sowohl die Technik als auch die Motivwahl des japanischen Künstlers beeinflusst, führt sie nicht zu einer Kongruenz von Form und Inhalt, sondern zu faszinierenden Gegensätzen und einer Gleichzeitigkeit von Gegenwart und Vergangenheit. Die Ausstellung der eindrucksvollen Werke, die seit 1994 entstanden sind, wurde in Kooperation mit der Pfalzgalerie Kaiserslautern organisiert.

Tanaka verwendet die kanshitsu-Technik, welche vom 7. bis 12. Jahrhundert in Japan populär war. Damals wurde sie unter anderem für die Fertigung von Statuen und Särgen genutzt. Um solche Artefakte herzustellen, werden Negativmodelle aus Ton, Holz und neuerdings auch synthetischem Hartschaum mit Gewebe beklebt, das mit Lack durchtränkt ist. Wenn die erste Schicht getrocknet ist, werden weitere hinzugefügt und das Model schließlich entfernt. So entstehen leichte und zugleich stabile Skulpturen mit einer extrem glatten Oberfläche. Auch Tanakas Farbwahl – er bevorzugt vor allem Tiefschwarz und mitunter Rot – kann als Anspielung auf die Anfänge der japanischen Lackkunst gesehen werden. Da sich nur wenige Pigmente mit dem Saft des Lackbaums vertragen, war das Farbrepertoire ursprünglich begrenzt. So wurden zum Beispiel Eisenoxid und Zinnober genutzt, um schwarzen und roten Lack zu erzeugen. Wenn man Tanakas Motivwahl betrachtet, zeigt sich allerdings ein Bruch mit der Tradition. Hier wird das Thema ‚Urformen’ in eine organische Formensprache übersetzt, die mit der gegenständlichen Kunst und Ziertechnik der alten Meister nichts mehr gemein hat. Dieses Spiel mit den Gegensätzen der traditionellen und modernen Lackkunst unterstreicht das Geschichtsbewusstsein und kreative Innovationspotenzial dieses wichtigen japanischen Künstlers der Gegenwart. | Anna Thiemann

bis 30.06.19

Museum für Lackkunst
Windthorststr. 26
48143 Münster
Tel. 0251-4185122
Di 12–20, Mi–So 12–18 Uhr

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