LWL-Museum für Kunst und Kultur

Celtic + ~~~, für Fußwaschung. 1971/ 77. Schenkung Ingrid und Manfred Rotert © VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Foto: LWL/Anne Neier

Intuition. 1968. Schenkung Ingrid und Manfred Rotert © VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Foto: LWL/Christoph Steinweg

Ja Ja Ja, Nee Nee Nee: Multiples von Joseph Beuys

Aus dem Off schwebt ein gleichmütig vorgetragener Monolog aus „Ja, Ja, Jas“ und „Nee, Nee, Nees“ durch den Lichthof des LWL-Museums für Kunst- und Kultur. Das zum Sound gehörende Multiple besteht aus einer Tonbandspule, eingebettet in einen Stapel brauner Filzplatten. 1968 während einer FLUXUS-Veranstaltung aufgenommen, wirkt diese „Imitation eines Oma-Gesprächs“ wie ein beruhigendes Mantra, das die äußere und innere Welt für einen Moment stillstehen lässt – und die Zuhörer für die rund 150 Multiples von Joseph Beuys, die das Museum derzeit zeigt, geradezu öffnet.

Anders als bei vielen raumgreifenden Installationen trug Joseph Beuys über die Multiples seine Idee von einer demokratischen, für alle zugänglichen Kunst in die breite Gesellschaft. Inhaltlich wie erzählerisch blieb er sich dabei als Provokateur und Reformer treu. In der Ausstellung fordern denn auch appellative Exponate wie „Intuition“ (1968) die Besucher gleich zu Beginn heraus, sich nicht zu sehr auf ihr analytisches Denken zu stützen – oder um an den Ausstellungstitel anzuknüpfen: Hülle und Kern gemeinsam zu denken. Dieser Dualismus zieht sich durch den gesamten Parcours: Von der „Capri-Batterie“ (1985), die als Metapher für energetische Vorgänge sowie für ein ökologisches Bewusstsein steht, bis zu den Editionen, Postkarten oder Schallplatten, die auf den Dualismus der Kommunikation anspielen – also den möglichen oder unmöglichen Austausch von Sender und Empfänger. Arbeiten wie „Brusette“ (1977) stellen wiederum die Verwertungslogik des Kunstmarktes zur Diskussion und verweisen auf Beuys’ Diktum „Kunst = Kapital“. Über alle Arbeiten hinweg wird in der Ausstellung immer auch sein Rollenverständnis deutlich: Vermittler seiner Ideen zu sein und das Vermitteln als demokratischen Akt zu begreifen. Ikonisch dazu die Fotografie, die ihn nach seiner fristlosen Entlassung beim Verlassen der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf zeigt. | Birgit Schlepütz

bis 29.09.19

LWL Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10
48143 Münster
Tel. 0251-590701
Di–So 10–18 Uhr

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