Galerie der Gegenwart: Kate Andrews

Unfeigned Hoax, Veritable Nonsense

Für die 16. Ausgabe der Projektreihe RADAR installiert die Künstlerin Kate Andrews großformatige und kleinformatige Zeichnungen sowie ein Netz aus Seilen. Ihr Ausstellungstitel „Unfeigned Hoax, Veritable Nonsense“ beschreibt einen Zustand, dem wir vor allem in den Medien täglich begegnen. Er kann als eine zweischneidige und bisweilen verfängliche Formulierung übersetzt werden. Mit dem Wortlaut „Ungetäuschter Schwindel, Wahrhaftiger Unsinn“ führt Andrews eine bildnerische Auseinandersetzung über die Unterscheidung von Fakten und Informationsmengen, die auf uns einströmen.

In den Zeichnungen überträgt Andrews Informationsflüsse mittels Markierungen wie Kreise, Striche oder Kennzeichnungen mit dem Buchstaben X auf Papier. Die durch das Format festgelegte Bildfläche verdichtet sich durch die Addition jeder Spur, verstärkt gewisse Elemente oder verdeckt Ordnungsstrukturen. Indem Andrews Verwirrung und Irritation hervorruft, führt sie mit ihren Zeichnungen die Unfähigkeit vor, sich eine klare Vorstellung von der Realität zu machen. Der Bildträger wird, den virtuellen Informationsplätzen gleich, zur Plattform von Täuschungsmanövern und Agitationen. Mit Graphit übereinander angelegte Ebenen verdichten die Bildinformation und lassen sie unübersichtlicher werden. Wir „sehen“ viel, aber erkennen wenig.Während die Großformate komplex und unübersichtlich sind in ihrer Struktur, fassen in den kleineren Zeichnungen der Serie „Soft Split“ zart-rosarote Klebestreifen ein konzentriertes Bildelement in der Mitte der Blätter ein. Durch die Auflage eines zweiten, dünneren Papiers schichtet die Künstlerin die Motive so übereinander, dass sie auch in ihrer physischen Dimension einer Anhäufung von Daten gleichen. Die unten liegenden Zeichen skizziert sie im Verlauf dieses Vorgangs zuerst nach, um sie anschließend etwas zu verrücken. Dissonanz entsteht, Klarsicht weicht dem Unvermögen, einzelne Tatsachen oder Bildeinheiten voneinander zu unterscheiden. Mit Verschieben geht Verunklären einher. Mit dieser Methode bringt Andrews jedoch auch die unteren Schichten nach oben und lässt mittels der Materialeigenschaften des Transparentpapiers ein Diffundieren und Durchscheinen zu. Somit entstehen dichte Vernetzungen, was die Künstlerin wortwörtlich auch in einem geknoteten Netz verbildlicht. Das Zeichen wird mit dem Netz zum Bezeichneten, Bild und Wort fallen zusammen. Zusammen mit den Zeichnungen an der Wand installiert die Künstlerin das Netz von der Decke herabhängend als Objekt im Raum. Sie hat es mit unterschiedlich starken Seilen händisch und mit großem Zeitaufwand zusammengefügt. Mit dieser Technik huldigt sie geradezu die Entschleunigung und setzt ein Gegenbild zur schnelllebigen Informationsflut. Und damit wirft Kate Andrews auch ein Netz von Fragen auf, für die wir prüfen müssten, ob wir den einzelnen Strängen und Narrationen noch folgen können oder uns im Netz „verheddern“.

Kate Andrews (*1992 in Toronto) studiere von 2016 bis 2020 bei Professor Stephan Baumkötter an der Hochschule für Künste, Bremen freie Kunst. Zuvor studierte sie an der Concordia University, Montreal und an der University of Guelph, Ontario, wo sie ihren Bachelor in Major Studio Art machte. Sie lebt und arbeitet in Bremen.

24.10.20–05.04.21
Kate Andrews. Unfeigned Hoax, Veritable Nonsense
Ausstellung ist von außen einsehbar

Galerie der Gegenwart
Rothenburg 30
48143 Münster
Tel. 0251-46157
Di–So 11–19 Uhr
www.westfaelischer-kunstverein.de/radar