LWL-Museum für Kunst und Kultur: Passion Leidenschaft

Die Kunst der großen Gefühle

Martha Rosler. POINT & SHOOT, a mourning thought (though I am more enraged than in mourning). 2016. © Martha Rosler und Galerie Nagel Draxler, Berlin/Köln/München

Maximilian Klewer. Der Fanatiker (Selbstbildnis) 1919/37. Städel Museum Frankfurt am Main. Foto: © Städel Museum Evelyn Lehmann ARTOTHEK

Lovis Corinth. Bacchanale. 1896. Foto: © Landesmuseum Hannover, ARTOTHEK

Edvard Munch. Das weinende Mädchen. 1909. LWL-Museum fürKunstund Kultur. © LWL/Neander

Neid, Wut, Liebe, Hass, Begehren, Eifersucht – starke, vermeintlich nicht zügelbare Emotionen sind so alt wie die Menschheit selbst und in der Kunst seit der Antike ein zentrales Thema. Im westlichen Kulturkreis reicht die künstlerische Auseinandersetzung mit den menschlichen Emotionen und Leidenschaften bis in die Antike zurück. In der großen Sonderausstellung „Passion Leidenschaft“ spannt das LWL-Museum für Kunst und Kultur zum ersten Mal mit 200 Exponaten einen Bogen bis in die heutige Zeit, vom Kindermord in Bethlehem bis zur aggressiven Propaganda von Trump.

Die Darstellung herzzerreißender, zutiefst beglückender und bis ins Mark erschütternder Figuren und Szenen zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung. Die Schau versammelt Gemälde, Skulpturen, Fotos und Videoinstallationen mit Werken von Peter Paul Rubens, Anthonys van Dyck, Camille Claudel, Auguste Rodin, Egon Schiele, Edvard Munch, Käthe Kollwitz, Bill Viola und vielen anderen Künstlerinnen. Berühmte Künstler haben sich über die Jahrhunderte in ihren Werken mit den Schmerzen des antiken Laokoons, dem Rausch des Bacchus, den Leiden Christi, dem ekstatischen Taumel und den Qualen liebender Menschen befasst.

In sechs Kapiteln erzählt die Ausstellung von Freude und Trauer, Hingabe und Angst, Liebe und Hass. Wie sich diese Gefühle in Gesichtern und Gesten niederschlagen, steht dabei im Zentrum der Schau: Der erste Raum empfängt die Besucherinnen mit dem Thema Körpersprache. Eine inhaltliche Vertiefung findet im zweiten Raum statt, der Kunstwerke von der Antike bis in die Gegenwart mit Quellentexten verknüpft. Es folgt als Herzstück des Rundgangs der dritte Raum zu Liebesfreud und Liebesleid. Eine Beschäftigung mit den christlichen Passionen ermöglicht die vielfältige Bandbreite der Skulpturen, Gemälde und Videos im vierten Raum. Raum 5 ergründet die Bedeutung von Gefühlen im politischen Kontext. Der letzte Raum hält den Betrachtern mit den dort versammelten Künstlerinnen-Selbstporträts auch den Spiegel ihres eigenen Seelenlebens vor. Zusätzlich können die Besucher auch ihre eigenen Gefühle untersuchen: Die sogenannte Leidenschaftskurve fragt ab, ob gerade Liebe, Hass, Gelassenheit, Wut überwiegen. Die Station zur Gesichtsekennung analysiert die Mimik der Besuchenden und übersetzt sie in Gefühle.

Begleitet wird die Ausstellung Passion Leidenschaft im LWL-Kunstmuseum von einem Programm, das von der tänzerischen Interpretation von Gefühlen bis zum jungen Zweig der wissenschaftlichen Emotionsforschung reicht. Öffentliche Führungen finden täglich statt, Tickets dafür können online gebucht werden. Eine digitale Tour bereitet auf den Besuch vor.

LWL-Museum für Kunst und Kultur
Passion Leidenschaft
09.10.20–14.02.20

Domplatz 10
48143 Münster
Tel. 0251-590701
Di–So 10–18 Uhr
www.lwl-museum-kunst-kultur.de

Digitorial zur Ausstellung: