Julia Heyward – Voices of Many Voices
Westfälischer Kunstverein
Julia Heyward performt „This Is My Blue Period“. 1977. Artists Space/New York. Courtesy Artists Space Archive, Fales Library and Special Collections an der New York University
Ausstellungsansicht „Voices of Many Voices“. Foto: Thorsten Arendt
AUSGABE 2/2026 – Autorin: Kristina Schade
Seit den frühen 1970er-Jahren lotet die amerikanische Künstlerin und Musikerin Julia Heyward (*1949) in ihren Performances die extremen Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme aus und verbindet Sprache, Gesang, Musik und Bild zu dichten experimentellen Inszenierungen. Auf Zeitgenoss:innen wirkten ihre Auftritte mitunter verstörend und irritierend. „In ihrer Kehle wohnt der Teufel neben Engeln“, schrieb 1975 ein Kritiker über sie. Die Ausstellung „Voices of Many Voices“ im Westfälischen Kunstverein rückt diese frühen Arbeiten in den Mittelpunkt und lenkt dabei besonders den Blick auf Heywards experimentellen und kritischen Umgang mit Sprache. In Deutschland ist Julia Heyward bislang kaum bekannt. Gemeinsam mit einer parallelen Präsentation im Kunstverein Nürnberg wird ihr Werk nun erstmals in größerem Umfang außerhalb der USA gezeigt.
Im Hauptraum laufen Videos von vier Solo-Performances: Classic Conversations (1975), Shake Daddy Shake (1976), This Is My Blue Period (1977) und Conscious Knocks Unconscious (1979). Ergänzt werden sie durch Fotografien, Texte, Storyboards und wei-teres Archivmaterial, das einen Eindruck von Heywards früher Performancepraxis vermittelt. Die Aufnahmen zeigen die Künstlerin in ihren radikalen One-Woman-Auftritten: allein auf der Bühne, mit Stimme, Rhythmus und Wiederholung arbeitend. Sprache wird gesungen, gesprochen, beschworen oder verzerrt – bis hin zu jodelartigen Klängen oder Kehlgesängen. Entstanden sind diese Arbeiten im Umfeld der New Yorker Kunst- und Musikszene der 1970er-Jahre, in der Performance, Popkultur und Underground neu zusammenfanden – und zu deren Pionierinnen Julia Heyward gehörte. In ihren Arbeiten mischt sie Autobiografisches mit Zitaten aus Fernsehen, Popmusik oder politischer Rhetorik. Auch religiöse Sprache spielt dabei eine Rolle. Die Predigten ihres Vaters, eines Pastors aus South Carolina, prägten ihre Arbeit ebenso wie ihre Auseinandersetzung mit Feminismus und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Entstanden in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche, wirken Heywards Arbeiten heute erschreckend aktuell. Ihre Performances zeigen, wie sehr Machtverhältnisse in Sprache und Stimme eingeschrieben sind – und wie leicht sich diese Ordnung verschieben lässt.
Julia Heyward. Voices of Many Voices
07.03.–31.05.26
Westfälischer Kunstverein
Rothenburg 30
48143 Münster
Mi–So 11–19 Uhr
westfaelischer-kunstverein.de
Aktuelle Beiträge aus Münster
- Westfälischer Kunstverein: Julia Heyward25.03.26 - 11:10
Seit den frühen 1970er-Jahren lotet die amerikanische Künstlerin und Musikerin Julia Heyward (*1949) in ihren Performances die extremen Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme aus und verbindet Sprache, Gesang, Musik und Bild zu dichten experimentellen Inszenierungen. Auf Zeitgenoss:innen wirkten ihre Auftritte mitunter verstörend und irritierend. „In ihrer Kehle wohnt der Teufel neben Engeln“, schrieb 1975 ein Kritiker über sie. Die Ausstellung „Voices of Many Voices“ im Westfälischen Kunstverein rückt diese frühen Arbeiten in den Mittelpunkt und lenkt dabei besonders den Blick auf Heywards experimentellen und kritischen Umgang mit Sprache. In Deutschland ist Julia Heyward bislang kaum bekannt. Gemeinsam mit einer parallelen Präsentation im Kunstverein Nürnberg wird ihr Werk nun erstmals in größerem Umfang außerhalb der USA gezeigt.
- Kunstmuseum Pablo Picasso: Christo und Jeanne-Claude25.03.26 - 10:33
Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude war bekannt für monumentale Installationen im öffentlichen Raum, bei denen Gebäude und Landschaften für einen begrenzten Zeitraum mit Stoff verhüllt und neu inszeniert wurden. Zu ihren bekanntesten Projekten zählen unter an-derem die Verhüllung des Berliner Reichstags und die Installation The Gates im New Yorker Central Park. Die Umsetzung erforderte oft jahrzehntelange Planung. Dabei entstanden Zeichnungen, Drucke, Collagen und Modelle, die nicht nur bloße Vorarbeiten, sondern eigenständige Kunstwerke darstellten. Sie machten die Ideen für Akteure und Stakeholder wie Ingenieure, Architekten, Politiker und Behörden erfahrbar und ihr Verkauf sicherte die Finanzierung der Projekte.
- Stadtmuseum Münster: Münsters Malerinnen25.03.26 - 10:12
Sie waren bekannte Künstlerinnen ihrer Zeit, stellten erfolgreich aus und taten alles, um von ihrer Kunst zu leben – und dennoch gerieten sie in Vergessenheit. Mit der Ausstellung „Münsters Malerinnen zwischen Biedermeier und Expressionismus“ richtet das Stadtmuseum den Blick auf zwölf Künstlerinnen, die im 19. Jahrhundert in Münster geboren wurden oder aufwuchsen. Viele von ihnen ließen sich als Privatschülerinnen von renommierten Professoren ausbilden, die an Kunstakademien in Dresden, Düsseldorf, Berlin oder München lehrten. Zu Lebzeiten in Münster und darüber hinaus präsent und geschätzt, verschwanden ihre Namen nach ihrem Tod schnell aus dem kunsthistorischen Gedächtnis – eine Lücke, die nun geschlossen werden soll.
- Stadthausgalerie: hell is other people (if you’re lucky)25.03.26 - 9:58
Die anderen können anstrengend sein. Sie nerven, widersprechen, stellen alles infrage und machen das Zusammenleben kompliziert. Bewertungen, Missverständnisse und Konflikte prägen unser Miteinander – eine Erfahrung, die Jean-Paul Sartre mit seinem Satz „Die Hölle, das sind die anderen“ auf den Punkt brachte. Heute, in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen, tut es gut, diesen Gedanken auch mal anders zu lesen: Könnte nicht gerade in der Konfrontation ein Potenzial liegen, das uns weiterbringt? Die Ausstellung „hell is other people (if you’re lucky)“ in der Stadthausgalerie kehrt den Versuch, Reibungen zu neutralisieren, bewusst um und begreift Öffentlichkeit als Spannungsraum, in dem Differenzen sichtbar werden dürfen und nicht zwingend aufgelöst werden müssen.
- RADAR: Tornike Gognadze25.03.26 - 9:44
Mit „Merry-Go-Round“ zeigt der Westfälische Kunstverein in der Reihe RADAR eine Installation des 1999 in Tiflis geborenen und in Frankfurt am Main lebenden Künstlers Tornike Gognadze. Im abgedunkelten Ausstellungsraum ist sein Kurzfilm „Boom Ball“ (2025) zu sehen, für dessen Präsentation Gognadze eine kinoartige Situation schafft. Ein schwarzer Vorhang verschließt die Glasfront des sonst von außen einsehbaren Raums. Farbige Spots an der Längswand lenken den Blick auf die Projektion. Der Film zeigt zwei Personen, die an einem langen Tisch über Kindheitserinnerungen und persönliche Anekdoten sprechen. Doch im Verlauf des Gesprächs beginnen ihre Erinnerungen auseinanderzudriften.
- Kunsthalle Münster: 42. Förderpreisausstellung25.03.26 - 9:29
Zum 42. Mal laden die Freunde der Kunstakademie Münster zur Förderpreisausstellung in die Kunsthalle Münster ein. 13 Studierende aus unterschiedlichen Klassen präsentieren ihre aktuellen Arbeiten: Anna Charlotte Frevel, Woorim Ha, Henrik Jansen, Yuna Jeong, Mari Kim, Julius Kotzke, Alex Liedtke, Jakob Mönch, Hannah Moraw, Anton Schmutzler, Nicole Widner, Jihyeok Yang und Frieda Zander. Ein gemeinsames Thema gibt es nicht – und genau das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Statt einer kuratorischen Klammer entsteht ein offener Parcours durch sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze.
- Open House 2026 im Speicher II25.03.26 - 9:18
Von Malerei, Fotografie und Installation bis hin zu Video, Klangkunst und Performance: Einmal im Jahr öffnen die Ateliers im Speicher II ihre Türen und geben Einblick in das künstlerische Schaffen des vergangenen Jahres. Das Open House 2026 lädt am zweiten Wochenende im Mai dazu ein, aktuelle Werke zu entdecken und die kreative Atmosphäre des Hauses zu erleben. Performances, Gesprächsrunden und kostenfreie Führungen ermöglichen einen direkten Austausch mit den Künstler:innen und bieten spannende Einblicke in deren Arbeitsprozesse.
- Kunsthalle Münster: Zauri Matikashvili25.03.26 - 9:03
Die Kunsthalle Münster zeigt unter dem Titel „You may not want to be here“ die erste institutionelle Einzelausstellung des georgischen Künstlers Zauri Matikashvili, der seit 2003 in Deutschland lebt. Gezeigt werden ältere Arbeiten und neue Produktionen, die einen Einblick in sein filmisches und performatives Schaffen geben. Im Zentrum seiner Filme stehen oft zufällige Begegnungen mit Menschen, die ihn für eine Weile, manchmal nur für einen kurzen Moment, an ihrem Leben teilhaben lassen.
- Kap.8: Robin Bolt und Renate Kotzke25.03.26 - 8:56
Die Ausstellungsreihe „Potenziale“ vereint mit Robin Bolt und Renate Kotzke zwei Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen, die sich mit Erinnerung und der Verortung vergangener Ereignisse auseinandersetzen. Robin Bolt inszeniert sich fotografisch mit Selbstauslöser an Orten ihrer Kindheit. In stillen, teils irritierenden Szenen verbirgt sie sich hinter Textilien oder Masken, meist regungslos in nicht näher bestimmten Räumen. Trotz der befremdlichen Situationen entfalten ihre Bilder eine alltägliche, fast vertraute Wirkung.
- Galerie NORD14: Dieter Sieger – Inspiration Memphis25.03.26 - 8:48
Dieter Sieger (*1938) zählt zu den renommiertesten deutschen Designern der Gegenwart. Die Galerie NORD14 widmet dem in Münster beheimateten Grenzgänger zwischen Architektur, Design und freier Kunst eine Ausstellung, die sein Werk in einen Dialog mit der legendären Memphis-Bewegung stellt. Neben Malerei und Wandarbeiten werden vor allem neue Plastiken Siegers gezeigt und ausgewählten Originalen jener Designgruppe gegenübergestellt. Memphis, 1981 um den italienischen Designer Ettore Sottsass gegründet, stellte mit seinen Möbeln und Objekten den damals dominierenden Funktionalismus radikal in Frage.
- Kunsthaus Kannen: Die Magie leerer Räume25.03.26 - 8:37
Was geschieht, wenn ein Ausstellungsraum leer ist und Menschen ihn gemeinsam mit Ideen, Formen und Klängen füllen? Im Kunsthaus Kannen wird diese Frage zum Ausgangspunkt eines ungewöhnlichen Experiments. Unter dem Titel „10 ½ Wochen – die Magie leerer Räume“ verwandeln sich Ausstellungssaal, Ateliers und der angrenzende Garten über einen Zeitraum von 74 Tagen in offene Arbeits- und Begegnungsräume. Das Projekt setzt auf Zusammenarbeit statt fertiger Werke: Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Interessen und künstlerischen Ansätzen kommen zusammen, um sich den Raum anzueignen und ihn schrittweise zu gestalten.
- LWL-Museum für Kunst und Kultur: Reiselustig02.01.26 - 12:35
Ob Strand oder Berge, Museum oder Urlaub auf Balkonien – Reisen ist ein großes Abenteuer, das alle verbindet. Und mittendrin: ein kleiner Stoffhase mit Fernweh. In der Ausstellung „Reiselustig – Unterwegs mit dem Hasen Felix“ begleitet der berühmte Hase Familien auf eine Entdeckungstour rund ums Urlaub machen – früher, heu-te und morgen. In sechs aufwändig gestalteten Themenräumen begegnet man nicht nur dem reisenden Kuscheltier, das seiner Freundin Sophie von unterwegs schreibt, sondern auch historischen Gemälden, Fotografien und Objekten, die zeigen, wie sich Urlaubsziele und Reisegewohnheiten im Lauf der Jahrzehnte verändert haben.
- Stadtmuseum Münster: Lia Darjes02.01.26 - 10:56
Ein Rabe stibitzt ein Stück Kernobst, ein Eichhörnchen knabbert an einer Wassermelone – die Stilllebenreihe „Wildstücke“ der Fotografin Lia Darjes, die die Friedrich-Hundt-Gesellschaft im Stadtmuseum zeigt, versammelt nächtliche Gartentafeln, die von tierischen Gästen erobert werden. Entstanden sind die Fotografien im Garten der Berliner Künstlerin. Darjes bewegt sich bewusst in der Grauzone zwischen Inszenierung und Zufall. Zunächst arrangiert sie die Szenerie, dann zieht sie sich zurück. Eine Kamera bleibt vor Ort, die durch Tierbewegungen ausgelöst wird. Ihre brillanten Farben verdanken die Bilder dem Einsatz von Blitzlicht, das das Hauptmotiv gezielt hervorhebt, während der Hintergrund durch Unterbelichtung fast schwarz erscheint.
- Stadtmuseum Münster: Grafik im Dialog02.01.26 - 10:33
Die Aldegrever-Gesellschaft, ein Verein zur Förderung der grafischen Künste, widmet ihre Ausstellung im Stadtmuseum zwei prägenden Persönlichkeiten der grafischen Kunst: Rolf Escher und Wolfgang Troschke. „Grafik im Dialog“ zeigt die nachhaltige Wirkung der Lehre der beiden Professoren an der Fachhochschule Münster. Über Jahrzehnte begleiteten sie Generationen junger Künstlerinnen und Künstler. Viele davon erhielten eine Förderung durch die Aldegrever-Gesellschaft und wirken heute selbst in der Lehre. Zu sehen sind Druckgrafiken, Zeichnungen und konzeptionelle Serien, die das Prozesshafte grafischer Arbeit betonen.
- Galerie Ostendorff: Wege und Gegenwege02.01.26 - 9:48
Unter dem Titel „Wege und Gegenwege: Westfälische Kunst im frühen 20. Jahrhundert“ zeigt die Galerie Ostendorff Werke von Vertretern einer gegen Ende des 19. Jh. geborenen Künstlergeneration, die im westfälischen Raum in der ersten Hälfte des 20. Jh. ihre wichtigsten Werke schuf. Die Zusammenschau zeigt neben stilistischer Vielfalt auch die unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungen. Zu den zentralen Positionen zählt Peter August Böckstiegel (1889–1951), einer der bedeutenden Vertreter des westfälischen Expressionismus. In seinen Arbeiten übersetzte er bäuerliches Umfeld, Porträts und Landschaften in eine kraftvolle Bildsprache.
- Kunsthalle Münster: Jelena Bulajić25.09.25 - 8:56
Die Kunsthalle Münster zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung der serbischen Künstlerin Jelena Bulajić in Deutschland. In ihrem Werk lotet sie die Möglichkeiten der Malerei in all ihren Facetten aus. Nicht das Motiv steht dabei im Zentrum, sondern die Beschaffenheit des Bildes selbst – seine Oberfläche, seine Materialität, seine Wirkung. Risse, Schichtungen, feine Linien werden zu Trägern von Bedeutung und zum eigentlichen Thema.
- Projekt Hafenweg 22: Pascale Feitner24.09.25 - 14:15
Ein filigranes Netz aus Linien durchzieht das Treppenhaus am Hafenweg 22. Über vier Etagen spannt sich die Skulptur „Exoskelett“ von Pascale Feitner – eine raumgreifende Arbeit, die sich eng mit der Architektur verbindet. Aus der Distanz wirkt sie wie ein zeichnerisches Geflecht; erst beim Näherkommen offenbart sich ihre plastische Dimension. Inspiration fand die Künstlerin bei der Weidenjungfer, einer Libellenart, die im Münsterland beheimatet ist, aus dem Hafengebiet jedoch weitgehend verdrängt wurde.
- Kunsthaus Kannen: Jahresausstellung 202524.09.25 - 9:16
Bis Ende Januar lädt das Kunsthaus Kannen zu seiner 27. Jahres- und Verkaufsausstellung ein. Zu sehen sind über 300 Werke aus dem Bereich der Outsider Art, darunter zahlreiche Arbeiten aus den hauseigenen Ateliers sowie von Gastkünstler:innen aus ganz Deutschland. Die Ausstellung bietet Raum für neue, wenig bekannte Positionen jenseits akademischer Konventionen.
- LWL-Museum für Kunst und Kultur: Performance People03.01.25 - 12:20
Die Ausstellung „Performance People“ im Lichthof des LWL-Museums zeigt mit einer Auswahl an Objekten, Videos, Fotografien und Archivalien, wie Skulptur erweitert, verlebendigt und performt wird. Ausgangspunkt der Schau ist ein Dialog zwischen zwei Werken: Erstmals ist Dan Grahams „Oktogon für Münster“ (1987) nicht im Außenraum, sondern im Lichthof des Museums zu sehen.






