Zauri Matikashvili – You may not want to be here
Kunsthalle Münster
Zauri Matikashvili. In Katernberg. 2022. Courtesy of the Artist. Foto: Kunsthalle Münster, Volker Renner
Zauri Matikashvili. You may not want to be here (1). 2024. Courtesy of the Artist. Foto: Kunsthalle Münster, Volker Renner
AUSGABE 3/2026 – Autorin: Kristina Schade
Seit mehr als 20 Jahren lebt der georgische Künstler Zauri Matikashvili in Münster, wo er studierte und arbeitet. Die Kunsthalle Münster widmet ihm mit „You may not want to be here“ seine erste institutionelle Einzelausstellung, die neben einer gleichnamigen Skulpturenserie drei Filme umfasst. Während die Skulpturen aus der Auseinandersetzung mit einer überwundenen Erkrankung entstanden sind, richten die Filme den Blick auf Menschen, die in der öffentlichen Wahrnehmung wenig Beachtung finden. Häufig entstehen sie aus zufälligen Begegnungen mit Fremden, die den Künstler für kurze Zeit an ihrem Leben teilhaben lassen. In ausgedehnten Sequenzen gibt er ihren Geschichten Raum und rückt dabei zunehmend auch die eigene Familie in den Mittelpunkt.
Der Film „In Katernberg“ (2022) versammelt Stimmen aus dem Essener Norden: Zugewanderte und Alteingesessene sprechen über ihren Alltag und das Zusammenleben im Stadtteil. „Made in Europe“ (2023) begleitet den Vater des Künstlers, der seit vielen Jahren zwischen Georgien und Deutschland pendelt, um mit gebrauchten Waren zu handeln. Die ZweiKanal-Installation „Passing the Glass“ (2026) stellt die Trauerfeier des verstorbenen georgisch-orthodoxen Patriarchen den Osterfeierlichkeiten von Matikashvilis Familie gegenüber. Die Filme erzählen von harter Arbeit, wirtschaftlichen Zwängen und familiären wie gesellschaftlichen Spannungen. Der Künstler begegnet seinen Protagonist:innen mit großer Nähe, ohne Konflikte zu bewerten oder aufzulösen. Die Filme treten in der Ausstellung in einen Dialog mit den Skulpturen, die sich durch den gesamten Raum ziehen. Eine gutartige Wucherung an der Schilddrüse veranlasste Matikashvili während seiner Genesung zu Experimenten mit Keramik, Wachs, Metall und Fundstücken aus der Natur. Die Formen erinnern an Organe und unkontrollierte Mutationen und erzählen wie die Filme von Verletzlichkeit, Veränderung und dem Umgang mit Krisen. Gerade darin liegt die Qualität von Matikashvilis Arbeiten: In Zeiten zunehmender Polarisierung setzen sie auf genaue Beobachtung, Empathie und die Bereitschaft, unterschiedliche Meinungen auszuhalten.
Zauri Matikashvili. You may not want to be here
13.06.–13.09.26
Kunsthalle Münster
Hafenweg 28
48155 Münster
Di–So 12–18 Uhr
kunsthallemuenster.de
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