Schau mich an – Gesichter in der Outsider Art
Kunsthaus Kannen
AUSGABE 4/2024 – Autorin: Nina Lenze
In der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Kannen dreht sich alles um das Thema Gesicht. Jedes Gesicht ist einzigartig und Teil unserer Identität. Bis 6. Oktober sind 90 Werke von 18 Künstler*innen aus der Sammlung zu sehen, darunter Zeichnungen, Malereien und Keramiken. Das Kunsthaus gehört zum Alexianer Campus. In den Ateliers können sich Menschen mithilfe kunsttherapeutischer Begleitung kreativ entfalten. Dort entstandene Werke werden in wechselnden Ausstellungen unter dem Begriff Outsider Art präsentiert, einem Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern, Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung oder von der Gesellschaft ausgeschlossene Personen.
Als Ausstellungshaus und integrative Begegnungsstätte steht das Kunsthaus allen Interessierten offen. Seit 2009 findet hier alle zwei Jahre ein Forum für Outsider Art statt. Die Ausstellung „Schau mich an“ zeigt vielfältige Herangehensweisen an die Darstellung eines Gesichts auf. Was macht ein Gesicht aus, welche Emotionen werden transportiert, wie werden wir von anderen wahrgenommen? So drücken die mit Ironie und Witz getöpferten und farbig glasierten Köpfe von Nicole Szlachetka Emotionen wie Wut, Trauer und Erstaunen aus und sind ein Abbild innerer Gefühle. Dagegen scheinen die farbigen Buntstiftporträts von Rosa Benzel mit ihren dunkel umrandeten Augen den Betrachter förmlich zu fixieren. Mal sind Gesichter deutlich erkennbar, mal lösen sie sich in ihre Konturen auf. Einzelne Spiegel zwischen den Werken bieten eine Vergleichsmöglichkeit für die Besuchenden und stellen durch ihren Verzerrungseffekt Sehgewohnheiten in Frage. Im Foyer hängen außerdem fotografische Porträts der ausgestellten Künstler*innen von Ralf Emmerich, der seit 1991 das Leben auf dem Alexianer Campus festhält.
Schau mich an. Gesichter in der Outsider Art
14.04.–06.10.24
Kunsthaus Kannen – Museum für Outsider Art
Alexianerweg 9
48163 Münster
Di–So 13–17 Uhr
www.kunsthaus-kannen.de
Aktuelle Beiträge aus Münster
- LWL-Museum für Kunst und Kultur: Reiselustig02.01.26 - 12:35
Ob Strand oder Berge, Museum oder Urlaub auf Balkonien – Reisen ist ein großes Abenteuer, das alle verbindet. Und mittendrin: ein kleiner Stoffhase mit Fernweh. In der Ausstellung „Reiselustig – Unterwegs mit dem Hasen Felix“ begleitet der berühmte Hase Familien auf eine Entdeckungstour rund ums Urlaub machen – früher, heu-te und morgen. In sechs aufwändig gestalteten Themenräumen begegnet man nicht nur dem reisenden Kuscheltier, das seiner Freundin Sophie von unterwegs schreibt, sondern auch historischen Gemälden, Fotografien und Objekten, die zeigen, wie sich Urlaubsziele und Reisegewohnheiten im Lauf der Jahrzehnte verändert haben.
- Stadtmuseum Münster: Lia Darjes02.01.26 - 10:56
Ein Rabe stibitzt ein Stück Kernobst, ein Eichhörnchen knabbert an einer Wassermelone – die Stilllebenreihe „Wildstücke“ der Fotografin Lia Darjes, die die Friedrich-Hundt-Gesellschaft im Stadtmuseum zeigt, versammelt nächtliche Gartentafeln, die von tierischen Gästen erobert werden. Entstanden sind die Fotografien im Garten der Berliner Künstlerin. Darjes bewegt sich bewusst in der Grauzone zwischen Inszenierung und Zufall. Zunächst arrangiert sie die Szenerie, dann zieht sie sich zurück. Eine Kamera bleibt vor Ort, die durch Tierbewegungen ausgelöst wird. Ihre brillanten Farben verdanken die Bilder dem Einsatz von Blitzlicht, das das Hauptmotiv gezielt hervorhebt, während der Hintergrund durch Unterbelichtung fast schwarz erscheint.
- Stadtmuseum Münster: Grafik im Dialog02.01.26 - 10:33
Die Aldegrever-Gesellschaft, ein Verein zur Förderung der grafischen Künste, widmet ihre Ausstellung im Stadtmuseum zwei prägenden Persönlichkeiten der grafischen Kunst: Rolf Escher und Wolfgang Troschke. „Grafik im Dialog“ zeigt die nachhaltige Wirkung der Lehre der beiden Professoren an der Fachhochschule Münster. Über Jahrzehnte begleiteten sie Generationen junger Künstlerinnen und Künstler. Viele davon erhielten eine Förderung durch die Aldegrever-Gesellschaft und wirken heute selbst in der Lehre. Zu sehen sind Druckgrafiken, Zeichnungen und konzeptionelle Serien, die das Prozesshafte grafischer Arbeit betonen.
- Haus der Niederlande: Aufruhr 50002.01.26 - 10:09
Am 15. Mai 1525 erhoben sich im thüringischen Frankenhausen zehntausende Bauern, Bäuerinnen und Leibeigene unter der Regenbogenfahne des Predigers Thomas Müntzer gegen Ausbeutung und Feudalherrschaft. Die Bauernkriege gelten als die erste unvollendete soziale Revolution in Deutschland. 500 Jahre später hat das Kollektiv des guten Willens die historische Schlacht am Fuße des Panoramamuseums in Bad Frankenhausen neu inszeniert: Gemeinsam mit Statist:innen und Live‑Action‑Role‑Play‑Gruppen aus der Region entstand eine vielschichtige filmische Inszenierung. Im Haus der Niederlande zeigt das Kollektiv ab Ende Januar diese Drei-Kanal-Videoinstallation, die bewusst mit gängigen Erzählmustern bricht.
- Galerie Ostendorff: Wege und Gegenwege02.01.26 - 9:48
Unter dem Titel „Wege und Gegenwege: Westfälische Kunst im frühen 20. Jahrhundert“ zeigt die Galerie Ostendorff Werke von Vertretern einer gegen Ende des 19. Jh. geborenen Künstlergeneration, die im westfälischen Raum in der ersten Hälfte des 20. Jh. ihre wichtigsten Werke schuf. Die Zusammenschau zeigt neben stilistischer Vielfalt auch die unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungen. Zu den zentralen Positionen zählt Peter August Böckstiegel (1889–1951), einer der bedeutenden Vertreter des westfälischen Expressionismus. In seinen Arbeiten übersetzte er bäuerliches Umfeld, Porträts und Landschaften in eine kraftvolle Bildsprache.
- Kunstmuseum Pablo Picasso: Barbara Hepworth25.09.25 - 9:50
Barbara Hepworth (1903–1975) war eine prägende künstlerische Stimme der britischen Moderne: eine Bildhauerin, die intuitive Naturformen mit klarer Abstraktion verband und sich leidenschaftlich mit den politischen, sozialen und technologischen Debatten des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte. Mit rund 90 Werken aus über fünf Jahrzehnten würdigt das Kunstmuseum Pablo Picasso ihr Lebenswerk in einer großen Einzelausstellung – und erzählt, wie Hepworth Kunst, Politik und persönliche Erfahrungen zu einem künstlerischen Kosmos verwob. Die Werke aus renommierten britischen Sammlungen – darunter The Hepworth Wakefield und die TATE – verdeutlichen, woran die Künstlerin glaubte: dass die physische Begegnung mit der Skulptur die Betrachtenden beeinflussen und ihre Wahrnehmung der Welt verändern könne.
- Kunsthalle Münster: Jelena Bulajić25.09.25 - 8:56
Die Kunsthalle Münster zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung der serbischen Künstlerin Jelena Bulajić in Deutschland. In ihrem Werk lotet sie die Möglichkeiten der Malerei in all ihren Facetten aus. Nicht das Motiv steht dabei im Zentrum, sondern die Beschaffenheit des Bildes selbst – seine Oberfläche, seine Materialität, seine Wirkung. Risse, Schichtungen, feine Linien werden zu Trägern von Bedeutung und zum eigentlichen Thema.
- Projekt Hafenweg 22: Pascale Feitner24.09.25 - 14:15
Ein filigranes Netz aus Linien durchzieht das Treppenhaus am Hafenweg 22. Über vier Etagen spannt sich die Skulptur „Exoskelett“ von Pascale Feitner – eine raumgreifende Arbeit, die sich eng mit der Architektur verbindet. Aus der Distanz wirkt sie wie ein zeichnerisches Geflecht; erst beim Näherkommen offenbart sich ihre plastische Dimension. Inspiration fand die Künstlerin bei der Weidenjungfer, einer Libellenart, die im Münsterland beheimatet ist, aus dem Hafengebiet jedoch weitgehend verdrängt wurde.
Kunsthaus Kannen: Jahresausstellung 202524.09.25 - 9:16Bis Ende Januar lädt das Kunsthaus Kannen zu seiner 27. Jahres- und Verkaufsausstellung ein. Zu sehen sind über 300 Werke aus dem Bereich der Outsider Art, darunter zahlreiche Arbeiten aus den hauseigenen Ateliers sowie von Gastkünstler:innen aus ganz Deutschland. Die Ausstellung bietet Raum für neue, wenig bekannte Positionen jenseits akademischer Konventionen.
LWL-Museum für Kunst und Kultur: Performance People03.01.25 - 12:20Die Ausstellung „Performance People“ im Lichthof des LWL-Museums zeigt mit einer Auswahl an Objekten, Videos, Fotografien und Archivalien, wie Skulptur erweitert, verlebendigt und performt wird. Ausgangspunkt der Schau ist ein Dialog zwischen zwei Werken: Erstmals ist Dan Grahams „Oktogon für Münster“ (1987) nicht im Außenraum, sondern im Lichthof des Museums zu sehen.







