Westfälischer Kunstverein: Julia Heyward

Seit den frühen 1970er-Jahren lotet die amerikanische Künstlerin und Musikerin Julia Heyward (*1949) in ihren Performances die extremen Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme aus und verbindet Sprache, Gesang, Musik und Bild zu dichten experimentellen Inszenierungen. Auf Zeitgenoss:innen wirkten ihre Auftritte mitunter verstörend und irritierend. „In ihrer Kehle wohnt der Teufel neben Engeln“, schrieb 1975 ein Kritiker über sie. Die Ausstellung „Voices of Many Voices“ im Westfälischen Kunstverein rückt diese frühen Arbeiten in den Mittelpunkt und lenkt dabei besonders den Blick auf Heywards experimentellen und kritischen Umgang mit Sprache. In Deutschland ist Julia Heyward bislang kaum bekannt. Gemeinsam mit einer parallelen Präsentation im Kunstverein Nürnberg wird ihr Werk nun erstmals in größerem Umfang außerhalb der USA gezeigt.

Kunstmuseum Pablo Picasso: Christo und Jeanne-Claude

Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude war bekannt für monumentale Installationen im öffentlichen Raum, bei denen Gebäude und Landschaften für einen begrenzten Zeitraum mit Stoff verhüllt und neu inszeniert wurden. Zu ihren bekanntesten Projekten zählen unter an-derem die Verhüllung des Berliner Reichstags und die Installation The Gates im New Yorker Central Park. Die Umsetzung erforderte oft jahrzehntelange Planung. Dabei entstanden Zeichnungen, Drucke, Collagen und Modelle, die nicht nur bloße Vorarbeiten, sondern eigenständige Kunstwerke darstellten. Sie machten die Ideen für Akteure und Stakeholder wie Ingenieure, Architekten, Politiker und Behörden erfahrbar und ihr Verkauf sicherte die Finanzierung der Projekte.

Stadtmuseum Münster: Münsters Malerinnen

Sie waren bekannte Künstlerinnen ihrer Zeit, stellten erfolgreich aus und taten alles, um von ihrer Kunst zu leben – und dennoch gerieten sie in Vergessenheit. Mit der Ausstellung „Münsters Malerinnen zwischen Biedermeier und Expressionismus“ richtet das Stadtmuseum den Blick auf zwölf Künstlerinnen, die im 19. Jahrhundert in Münster geboren wurden oder aufwuchsen. Viele von ihnen ließen sich als Privatschülerinnen von renommierten Professoren ausbilden, die an Kunstakademien in Dresden, Düsseldorf, Berlin oder München lehrten. Zu Lebzeiten in Münster und darüber hinaus präsent und geschätzt, verschwanden ihre Namen nach ihrem Tod schnell aus dem kunsthistorischen Gedächtnis – eine Lücke, die nun geschlossen werden soll.

Stadthausgalerie: hell is other people (if you’re lucky)

Die anderen können anstrengend sein. Sie nerven, widersprechen, stellen alles infrage und machen das Zusammenleben kompliziert. Bewertungen, Missverständnisse und Konflikte prägen unser Miteinander – eine Erfahrung, die Jean-Paul Sartre mit seinem Satz „Die Hölle, das sind die anderen“ auf den Punkt brachte. Heute, in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen, tut es gut, diesen Gedanken auch mal anders zu lesen: Könnte nicht gerade in der Konfrontation ein Potenzial liegen, das uns weiterbringt? Die Ausstellung „hell is other people (if you’re lucky)“ in der Stadthausgalerie kehrt den Versuch, Reibungen zu neutralisieren, bewusst um und begreift Öffentlichkeit als Spannungsraum, in dem Differenzen sichtbar werden dürfen und nicht zwingend aufgelöst werden müssen.

RADAR: Tornike Gognadze

Mit „Merry-Go-Round“ zeigt der Westfälische Kunstverein in der Reihe RADAR eine Installation des 1999 in Tiflis geborenen und in Frankfurt am Main lebenden Künstlers Tornike Gognadze. Im abgedunkelten Ausstellungsraum ist sein Kurzfilm „Boom Ball“ (2025) zu sehen, für dessen Präsentation Gognadze eine kinoartige Situation schafft. Ein schwarzer Vorhang verschließt die Glasfront des sonst von außen einsehbaren Raums. Farbige Spots an der Längswand lenken den Blick auf die Projektion. Der Film zeigt zwei Personen, die an einem langen Tisch über Kindheitserinnerungen und persönliche Anekdoten sprechen. Doch im Verlauf des Gesprächs beginnen ihre Erinnerungen auseinanderzudriften.

Kunsthalle Münster: 42. Förderpreisausstellung

Zum 42. Mal laden die Freunde der Kunstakademie Münster zur Förderpreisausstellung in die Kunsthalle Münster ein. 13 Studierende aus unterschiedlichen Klassen präsentieren ihre aktuellen Arbeiten: Anna Charlotte Frevel, Woorim Ha, Henrik Jansen, Yuna Jeong, Mari Kim, Julius Kotzke, Alex Liedtke, Jakob Mönch, Hannah Moraw, Anton Schmutzler, Nicole Widner, Jihyeok Yang und Frieda Zander. Ein gemeinsames Thema gibt es nicht – und genau das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Statt einer kuratorischen Klammer entsteht ein offener Parcours durch sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze.

Open House 2026 im Speicher II

Von Malerei, Fotografie und Installation bis hin zu Video, Klangkunst und Performance: Einmal im Jahr öffnen die Ateliers im Speicher II ihre Türen und geben Einblick in das künstlerische Schaffen des vergangenen Jahres. Das Open House 2026 lädt am zweiten Wochenende im Mai dazu ein, aktuelle Werke zu entdecken und die kreative Atmosphäre des Hauses zu erleben. Performances, Gesprächsrunden und kostenfreie Führungen ermöglichen einen direkten Austausch mit den Künstler:innen und bieten spannende Einblicke in deren Arbeitsprozesse.

Kunsthalle Münster: Zauri Matikashvili

Die Kunsthalle Münster zeigt unter dem Titel „You may not want to be here“ die erste institutionelle Einzelausstellung des georgischen Künstlers Zauri Matikashvili, der seit 2003 in Deutschland lebt. Gezeigt werden ältere Arbeiten und neue Produktionen, die einen Einblick in sein filmisches und performatives Schaffen geben. Im Zentrum seiner Filme stehen oft zufällige Begegnungen mit Menschen, die ihn für eine Weile, manchmal nur für einen kurzen Moment, an ihrem Leben teilhaben lassen.

Kap.8: Robin Bolt und Renate Kotzke

Die Ausstellungsreihe „Potenziale“ vereint mit Robin Bolt und Renate Kotzke zwei Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen, die sich mit Erinnerung und der Verortung vergangener Ereignisse auseinandersetzen. Robin Bolt inszeniert sich fotografisch mit Selbstauslöser an Orten ihrer Kindheit. In stillen, teils irritierenden Szenen verbirgt sie sich hinter Textilien oder Masken, meist regungslos in nicht näher bestimmten Räumen. Trotz der befremdlichen Situationen entfalten ihre Bilder eine alltägliche, fast vertraute Wirkung.

Galerie NORD14: Dieter Sieger – Inspiration Memphis

Dieter Sieger (*1938) zählt zu den renommiertesten deutschen Designern der Gegenwart. Die Galerie NORD14 widmet dem in Münster beheimateten Grenzgänger zwischen Architektur, Design und freier Kunst eine Ausstellung, die sein Werk in einen Dialog mit der legendären Memphis-Bewegung stellt. Neben Malerei und Wandarbeiten werden vor allem neue Plastiken Siegers gezeigt und ausgewählten Originalen jener Designgruppe gegenübergestellt. Memphis, 1981 um den italienischen Designer Ettore Sottsass gegründet, stellte mit seinen Möbeln und Objekten den damals dominierenden Funktionalismus radikal in Frage.