Julius Weiland – Bild versus Glas!
Glasmuseum Lette
Julius Weiland. Blue Sky. 2018. © VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Foto: Julius Weiland
Julius Weiland. Aubette (2). 2023. © VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Foto: Julius Weiland
AUSGABE 4/2024– Autorin: Mona Eilers
Der brutalistischen Architektur Ostberlins können heutzutage nur noch wenige etwas abgewinnen. Der Künstler Julius Weiland wohnt in einem solchen Betonriesen aus DDR-Zeiten und kennt die vielen dysfunktionalen Fehlstellen der ehemaligen Prestigebauten. In seinen Werken geht er ihrer architektonischen Grundstruktur nach, überführt sie in geometrische Formen und setzt sie in schillernden Farben neu in Szene. Das Glasmuseum Lette präsentiert mit „Julius Weiland – Bild versus Glas!“ eine Werkschau dieser Arbeiten – eine Premiere für das Museum, denn neben gläsernen Objekten werden auch Malereien des Künstlers gezeigt. Zwischen Betonklötzen aus Ölfarbe und zarten Farbchangierungen in Glas erprobt Weiland so in verschiedenen Medien gegensätzliche und doch stimmige Zugänge zu Räumlichkeit.
Julius Weiland ist für seine farbenfrohen Glasarbeiten bekannt, die zwischen bäuchig-prallen und spitzen Formen wandeln. Seit einigen Jahren widmet er sich auch der Malerei, die im Kontext seiner Glasobjekte steht. Doch Weilands malerische Praxis zeichnet sich keineswegs durch lasierende Farbschichten aus, die die gläsernen Qualitäten nachahmen: Er malt Form neben Form, Fenster neben Fenster. Flächen aus Ölfarbe, die sich nicht überlappen. Motivisch widmet er sich der Architektur der sozialistischen Moderne, indem er ihre Formsprache zum ästhetischen Bauplan seiner Malereien macht. Nebeneinander gelagerte Würfel, Linien, polygone Formen und Muster erreichen der flächigen Konzeption zum Trotz eine virtuell anmutende Räumlichkeit. Die Malerei „Aubette (2)“ referiert hingegen auf das gleichnamige klassizistische Gebäude in Straßburg, dessen geometrisch-formale Raumgestaltung Weilands malerische Stilistik bereits innenarchitektonisch inkorporiert. Die Formen und Farben seiner Malereien überführt Weiland in seine Kunstwerke aus Glas, in denen sie eine neue Lebendigkeit und materielle Räumlichkeit erlangen. Neben den neueren Arbeiten, die jenen intermedialen Dialog führen, zeigt das Glasmuseum Lette auch frühere Glasobjekte des Künstlers, die seine große technische und stilistische Bandbreite widerspiegeln.
Julius Weiland – Bild versus Glas!
26.10.24–05.01.25
Glasmuseum Lette
Letter Berg 38
48653 Coesfeld
Mi+Sa 14–17, So 11–17 Uhr
www.glasmuseum-lette.de
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