Aus dem Rand gerückt: Kinderhaus im Hier und Jetzt
Münster Kinderhaus – Pfarrhaus St. Josef bis Gut Kinderhaus
Nadia Pereira Benavente. Disolve to be nature. 2024
Birgit Feike. Grenzflächen am Rand. © VG Bild-Kunst, Bonn 2024
AUSGABE 3/2024 – Autorin: Kristina Schade
Kunst im öffentlichen Raum kennt man in Münster vor allem durch die Skulptur Projekte. Im Stadtteil Kinderhaus findet mit Kunst am Rand alle zwei Jahre eine weitere Outdoor-Ausstellung statt. Auch hier sind Künstler*innen eingeladen, an einem selbstgewählten Ort ein ortsbezogenes Projekt zu realisieren. Allerdings stehen für die Werke weitaus kleinere Budgets zur Verfügung, was mit Blick auf die dreimonatige Projektdauer besondere Fragen in den Fokus rückt: Wie verändern sich die Werke unter dem Einfluss der Witterung? Wie interagieren die Menschen mit den zum Teil filigranen Arbeiten? Und wie kann Vorhandenes eingebunden werden? Unter dem Motto „Im Hier und Jetzt – zwischen gefunden und vergessen“ haben die Kuratoren Thomas Gerhards, Florian Glaubitz und Sven Olde 24 Künstler*innen eingeladen, die bis zum 29. September 22 Arbeiten an 7 Standorten präsentieren.
Mit gespendetem Ton von einer Töpferei hat Nadia Pereira Benavente im Garten des Pfarrhauses St. Josef die Skulptur eines Oktopusses geschaffen. Der Ton für die Fangarme und den Körper ist nicht gebrannt. Lediglich im Inneren des Körpers befindet sich ein gebranntes Objekt. Ob es im Laufe der Ausstellungszeit sichtbar wird, hängt davon ab, wie der unbehandelte Ton auf Sonne und Regen reagiert. Mit einem vergessenen Ort setzt sich Birgit Feikes Installation „Grenzflächen am Rand“ auseinander. Auf dem begrünten Dach eines Parkhauses am Sprickmannplatz befindet sich ein 20 Meter langer Stahlträgerrahmen, in den die Künstlerin ein Geflecht aus Flatterband geknüpft hat. Niemand konnte ihr sagen, welchem Zweck das Konstrukt ursprünglich dienen sollte. Sie gibt dem Ort eine neue Bedeutung und ist gespannt, wie sich ihr fragiles Werk verändert: Wird es zerstört? Werden Dinge hinzugefügt oder angeknüpft? Kunst am Rand lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. Startpunkt ist das Kap.8 am Idenbrockplatz. Weiter geht es über den Sprickmannplatz, das Sportgelände des SC Westfalia, die Kirche und das Pfarrhaus Kinderhaus bis zum Gut Kinderhaus. Ein Flyer und eine digitale Karte helfen beim Finden der Orte.
Kunst am Rand. Im Hier und Jetzt – zwischen gefunden und vergessen
12.06.24–29.09.24
Veranstalter: Kap.8
Idenbrockplatz 8
48159 Münster
Tel. 0251-4924150
www.stadt-muenster.de/kunst-am-rand
Aktuelle Beiträge aus Münster
LWL-Museum für Kunst und Kultur: Reiselustig02.01.26 - 12:35Ob Strand oder Berge, Museum oder Urlaub auf Balkonien – Reisen ist ein großes Abenteuer, das alle verbindet. Und mittendrin: ein kleiner Stoffhase mit Fernweh. In der Ausstellung „Reiselustig – Unterwegs mit dem Hasen Felix“ begleitet der berühmte Hase Familien auf eine Entdeckungstour rund ums Urlaub machen – früher, heu-te und morgen. In sechs aufwändig gestalteten Themenräumen begegnet man nicht nur dem reisenden Kuscheltier, das seiner Freundin Sophie von unterwegs schreibt, sondern auch historischen Gemälden, Fotografien und Objekten, die zeigen, wie sich Urlaubsziele und Reisegewohnheiten im Lauf der Jahrzehnte verändert haben.
- Stadtmuseum Münster: Lia Darjes02.01.26 - 10:56
Ein Rabe stibitzt ein Stück Kernobst, ein Eichhörnchen knabbert an einer Wassermelone – die Stilllebenreihe „Wildstücke“ der Fotografin Lia Darjes, die die Friedrich-Hundt-Gesellschaft im Stadtmuseum zeigt, versammelt nächtliche Gartentafeln, die von tierischen Gästen erobert werden. Entstanden sind die Fotografien im Garten der Berliner Künstlerin. Darjes bewegt sich bewusst in der Grauzone zwischen Inszenierung und Zufall. Zunächst arrangiert sie die Szenerie, dann zieht sie sich zurück. Eine Kamera bleibt vor Ort, die durch Tierbewegungen ausgelöst wird. Ihre brillanten Farben verdanken die Bilder dem Einsatz von Blitzlicht, das das Hauptmotiv gezielt hervorhebt, während der Hintergrund durch Unterbelichtung fast schwarz erscheint.
- Stadtmuseum Münster: Grafik im Dialog02.01.26 - 10:33
Die Aldegrever-Gesellschaft, ein Verein zur Förderung der grafischen Künste, widmet ihre Ausstellung im Stadtmuseum zwei prägenden Persönlichkeiten der grafischen Kunst: Rolf Escher und Wolfgang Troschke. „Grafik im Dialog“ zeigt die nachhaltige Wirkung der Lehre der beiden Professoren an der Fachhochschule Münster. Über Jahrzehnte begleiteten sie Generationen junger Künstlerinnen und Künstler. Viele davon erhielten eine Förderung durch die Aldegrever-Gesellschaft und wirken heute selbst in der Lehre. Zu sehen sind Druckgrafiken, Zeichnungen und konzeptionelle Serien, die das Prozesshafte grafischer Arbeit betonen.
- Galerie Ostendorff: Wege und Gegenwege02.01.26 - 9:48
Unter dem Titel „Wege und Gegenwege: Westfälische Kunst im frühen 20. Jahrhundert“ zeigt die Galerie Ostendorff Werke von Vertretern einer gegen Ende des 19. Jh. geborenen Künstlergeneration, die im westfälischen Raum in der ersten Hälfte des 20. Jh. ihre wichtigsten Werke schuf. Die Zusammenschau zeigt neben stilistischer Vielfalt auch die unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungen. Zu den zentralen Positionen zählt Peter August Böckstiegel (1889–1951), einer der bedeutenden Vertreter des westfälischen Expressionismus. In seinen Arbeiten übersetzte er bäuerliches Umfeld, Porträts und Landschaften in eine kraftvolle Bildsprache.
- Kunsthalle Münster: Jelena Bulajić25.09.25 - 8:56
Die Kunsthalle Münster zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung der serbischen Künstlerin Jelena Bulajić in Deutschland. In ihrem Werk lotet sie die Möglichkeiten der Malerei in all ihren Facetten aus. Nicht das Motiv steht dabei im Zentrum, sondern die Beschaffenheit des Bildes selbst – seine Oberfläche, seine Materialität, seine Wirkung. Risse, Schichtungen, feine Linien werden zu Trägern von Bedeutung und zum eigentlichen Thema.
- Projekt Hafenweg 22: Pascale Feitner24.09.25 - 14:15
Ein filigranes Netz aus Linien durchzieht das Treppenhaus am Hafenweg 22. Über vier Etagen spannt sich die Skulptur „Exoskelett“ von Pascale Feitner – eine raumgreifende Arbeit, die sich eng mit der Architektur verbindet. Aus der Distanz wirkt sie wie ein zeichnerisches Geflecht; erst beim Näherkommen offenbart sich ihre plastische Dimension. Inspiration fand die Künstlerin bei der Weidenjungfer, einer Libellenart, die im Münsterland beheimatet ist, aus dem Hafengebiet jedoch weitgehend verdrängt wurde.
- Kunsthaus Kannen: Jahresausstellung 202524.09.25 - 9:16
Bis Ende Januar lädt das Kunsthaus Kannen zu seiner 27. Jahres- und Verkaufsausstellung ein. Zu sehen sind über 300 Werke aus dem Bereich der Outsider Art, darunter zahlreiche Arbeiten aus den hauseigenen Ateliers sowie von Gastkünstler:innen aus ganz Deutschland. Die Ausstellung bietet Raum für neue, wenig bekannte Positionen jenseits akademischer Konventionen.
- LWL-Museum für Kunst und Kultur: Performance People03.01.25 - 12:20
Die Ausstellung „Performance People“ im Lichthof des LWL-Museums zeigt mit einer Auswahl an Objekten, Videos, Fotografien und Archivalien, wie Skulptur erweitert, verlebendigt und performt wird. Ausgangspunkt der Schau ist ein Dialog zwischen zwei Werken: Erstmals ist Dan Grahams „Oktogon für Münster“ (1987) nicht im Außenraum, sondern im Lichthof des Museums zu sehen.







