Queer in die Zukunft: Forms of the Surrounding Futures
Kunsthalle Münster
Installationsansicht Kunsthalle Münster 2024. Foto: Kunsthalle Münster/Volker Renner
Esse McChesney. Hejdå. 2021. Foto:Volker Renner
AUSGABE 3/2024 – Autorin: Mona Eilers
In einer von multiplen Krisen bestimmten Zeit verengt sich der zuversichtliche Blick einer Gesellschaft auf die Zukunft. Anstelle von Angst vor dem Unbekannten und polarisierenden Pro- und Kontra-Ausfechtungen liefert die Kunsthalle Münster Vorschläge für ein Morgen, das binäre Verortungen und festgefahrene Normen hinter sich lässt: In „forms of the surrounding futures“ zeigen acht Künstler*innen, wie sie intersektional und selbstbestimmt dem hegemonialen Ausschluss von sozialen Minderheiten entgegentreten und Veränderungsangebote schaffen. Dabei steht der Begriff Queerness im Vordergrund: Im erweiterten Sinne steht er für die Herausforderung der Norm, deren Paradigmen und Machtstrukturen durchbrochen werden sollen.
Zeugnis nicht-binärer Identität und wiederkehrendes Motiv in den Web- und Stickarbeiten von Esse McChesney ist das der Mastektomie. Stoffe und Stofflichkeit sind auch für die zehn Wesen – zeitgenössische Verkörperungen mythologischer Figuren – von Rasmus Myrup wesentlich, die z.B. aus Stein, Getreide oder Muscheln bestehen, und in eigens angefertigte Kleidungsstücke gehüllt sind. Röntgenaufnahmen von alten und neuen Kleidungsstücken zeugen von der Beschäftigung Tarik Kiswansons mit Migration und sozialen Beziehungen über Generationen hinweg. Während Rodrigo Hernández mit seiner metallischen Arbeit einen mysteriös-poetischen Beitrag zur Ausstellung leistet, zeichnet sich Ania Nowaks Videoarbeit durch ihre Direktheit aus: In einem festen Rhythmus spricht sie Wörter aus, die in Diskussionen für und gegen das Ausleben queerer Identität fallen. Die Videoarbeit von Agnė Jokšė thematisiert die Relevanz von platonischen Beziehungen queerer Frauen; Ana Vaz spielt mit der Hoffnung auf neues Leben in einer toxischen Umgebung – ihrem Film liegt die Nuklearkatastrophe von Fukushima zugrunde. Zentral im Raum ist nicht zuletzt der energetisch-atmosphärische Film von Luiz Roque, dessen Darsteller*innen das antikoloniale und queerfreundliche Manifest von Jota Mombaça mit einer Mischung aus Gebärdensprache, Breakdance und Vogueing adaptieren.
Beteiligte Künstler*innen: Rodrigo Hernández, Agnė Jokšė, Tarik Kiswanson, Esse McChesney, Rasmus Myrup, Ania Nowak, Luiz Roque, Ana Vaz
Forms of the Surrounding Futures
04.05.–04.08.24
Eröffnung
03.05.24, 18 Uhr, Eröffnung
03.05.24, 19.30 Uhr, Ania Nowak (Performance)
Begleitprogramm
04.05.24, 14 Uhr, Künstlergespräch mit Rodrigo Hernandez (DE)
04.05.24, 15 Uhr, Rasmus Myrup (Performance)
23.06.24, 15 Uhr, Führung
18.07.24, 18 Uhr, Führung
04.08.24, 15 Uhr, Direktorinnenführung
04.08.24, 16.30 Uhr, Rasmus Myrup (Performance)
Kunsthalle Münster
Hafenweg 28
48155 Münster
Di–So 12–18 Uhr
www.kunsthallemuenster.de
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