Kunsthaus Kloster Gravenhorst: WestFarbe

Im Englischen gibt es zwei Wörter für das, was im Deutschen schlicht „Farbe“ heißt: „colour“ bezeichnet die Farbigkeit, „paint“ das Malmaterial. Dieser Unterschied inspirierte den Künstler und Kurator Christoph Dahlhausen zur Ausstellungsreihe „WestFarbe“, die nun im Kloster Gravenhorst Station macht. Die Gruppenausstellung versammelt zahlreiche künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Farbe auseinandersetzen. Werke aus der Sammlung der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung begegnen dabei Installationen, Objekten und Videoarbeiten. Mal erscheint Farbe als leuchtende Fläche, mal als körperhafte Materie, mal als konzeptionelle Setzung. So eröffnet die Ausstellung einen vielschichtigen Blick auf ein Medium, das oft selbstverständlich erscheint, dessen Wirkung unsere Wahrnehmung jedoch entscheidend prägt.

Kunstmuseum im Marstall: Ella Bergmann-Michel und Robert Michel

Mit der Ausstellung „Mechanik des Lebens“ widmet sich das Kunstmuseum Paderborn zwei heute zu Unrecht wenig bekannten Positionen der Klassischen Moderne. Ella Bergmann-Michel, 1895 in Paderborn geboren, und Robert Michel lernten sich während ihres Studiums am Bauhaus in Weimar kennen und arbeiteten ihr Leben lang eng zusammen. Beide beschäftigten sich intensiv mit den neuen Bildwelten ihrer Zeit. Typografie, Reklame, Fotografie, Film und industrielle Technik fanden ebenso Eingang in ihre Arbeiten, wie Einflüsse des Dadaismus, Konstruktivismus und der expressionistischen Avantgarde. Der Ausstellungstitel verweist auf ein zentrales gemeinsames Interesse: die Auseinandersetzung mit den Veränderungen der Moderne. Industrie, Technik, Arbeit und soziale Prozesse werden in ihren Werken nicht nur formal untersucht, sondern auch kritisch reflektiert. Besonders ihre Collagen, Zeichnungen und Druckgrafiken verbinden organische Formen mit maschinenhaften Strukturen.

Ikonen-Museum: Viten, Wunder und Legenden

Was haben mittelalterliche Ikonen und Comics gemeinsam? Mehr, als auf den ersten Blick zu erwarten wäre. Die Jubiläumsausstellung „Viten, Wunder und Legenden“ zum 70-jährigen Bestehen des Ikonen-Museums rückt die erzählerische Seite der Ikonenkunst in den Mittelpunkt. Viele der gezeigten Werke erzählen in klar abgegrenzten, mit Texten versehenen Bildfeldern vom Leben der Heiligen, von Wundern, Prüfungen und Legenden. Mitunter verlaufen diese Bilder wie ein gezeichneter Erzählstreifen um die zentrale Figur herum. Die Geschichten handeln von Heldenmut, selbstloser Hilfe, Glauben oder den Verlockungen des Bösen. Manche Motive wie der Drachentöter Georg oder der heilige Nikolaus sind bis heute vertraut. Andere wirken fremd und mysteriös: Ikonen, die übers Wasser wandeln, Heilige auf Säulen, Mönche, die auf krallenbewehrten Pferden reiten.

Kloster Bentlage: Traces of Bentlage

Das Kloster Bentlage und die umgebende Kulturlandschaft bilden den Ausgangspunkt dreier künstlerischer Interventionen von Ann Aspinwall und Susan Goethel Campbell. Sie greifen historische Orte und verborgene Spuren des Geländes auf und übersetzen sie in zeitgenössische Arbeiten. Im Salinenpark werden Baumschatten zu Sonnenuhren und machen den Lauf der Zeit sichtbar. Zwischen den Gradierwerken verwandeln sich einst zum Schutz der Bäume vor der Sole-Gischt errichtete Wände in durchscheinende Bildflächen. Am Kloster selbst wird ein längst verschwundener Kutschenpfad markiert, der früher zur Kutschenremise führte.

Quadrat Bottrop: Richard Paul Lohse

Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2026 präsentiert das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop eine umfassende Einzelausstellung des Schweizer Malers, Grafikers und Theoretikers Richard Paul Lohse (1902–1988), einer Schlüsselfigur der konstruktiv-konkreten Kunst. Bereits 1976 widmete das damals neu eröffnete Museum dem Künstler eine erste Einzelausstellung; sein Werk „Drei horizontale Teilungen“ (1949/72) wurde zugleich zum ersten Ankauf des Hauses und markierte den Beginn der Sammlung jenseits von Josef Albers. Die aktuelle Ausstellung ist die erste große Retrospektive Lohses seit mehr als 20 Jahren. Sie verknüpft ein wichtiges Kapitel der Bottroper Museumsgeschichte mit aktuellen Fragen nach gesellschaftlichen Utopien und sozialer Gleichheit.

Dortmunder U: Müll

Eine ganz neue Antwort auf die oft scherzhafte Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ gibt die Schau „Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“, die noch bis Ende Juli im Dortmunder U zu sehen ist. Sie zeigt rund 50 verschiedene Werke von internationalen Künstler:innen des 20. und 21. Jahrhunderts, die über und mit den Hinterlassenschaften unserer Zivilisation arbeiten. Sie nutzen unterschiedliche Medien wie Skulpturen, Installationen oder Grafiken, um auf Abhängigkeiten und Auswirkungen rund um unsere Konsumgesellschaft aufmerksam zu machen. Denn unser Verhalten hat Folgen auf der ganzen Welt, die allerdings größtenteils vor unseren Augen verborgen bleiben.

Kunstmuseum Gelsenkirchen: Kunstpreis der Kunststiftung NRW 2026

Der Kunstpreis der Kunststiftung NRW – Nam June Paik Award wird in diesem Jahr im Kunstmuseum Gelsenkirchen verliehen. Der international renommierte Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen. Preisträger ist der in Berlin und Aachen lebende Künstler Michael Beutler (*1976), der für die historische Villa des Museums eine ortsspezifische Installation entwickelt hat. Seine Arbeit verwandelt das Gebäude in eine künstlerisch-handwerkliche Produktionsstätte: eine mehrstöckige Werkstatt, in der Altpapier zu skulpturalen Objekten verarbeitet wird. Aus recycelten Büchern, Papieren und Katalogen entstehen vor Ort neue Papierbahnen, deren Herstellung über mehrere Geschosse hinweg sichtbar wird.

Museum Haus Opherdicke: Zeitraumschweben

Seit jeher üben Vorstellungen von der Zukunft eine enorme Faszination auf uns aus. Das Unbekannte regt die Fantasie an und findet seit Jahrzehnten vielfältigen Ausdruck in der Kunst. Die aktuelle Ausstellung „Zeitraumschweben“ im Haus Opherdicke widmet sich genau diesem Thema und beleuchtet das Verhältnis zwischen Mensch und Zukunft. Anhand von Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen und Videoarbeiten begeben sich die Besucher:innen auf eine Spurensuche durch verschiedene Epochen. Dabei werden die Themenfelder Architektur, Zeit, Körper und Traum verknüpft, um zu zeigen, wie sich unsere Ambitionen und Ängste im Laufe der Zeit gewandelt haben.

Draiflessen Collection: Mix & Match

In der Ausstellung „Mix & Match“ begegnen sich Archiv und Sammlung der Draiflessen Collection auf ungewöhnliche Weise. In vier Themenräumen werden Objekte aus unterschiedlichen Zeiten und Bereichen miteinander kombiniert – von Druckgrafik und Buchkunst über Fotografien und Film bis hin zu Mode und zeitgenössischer Kunst. Die vier Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser strukturieren den Rundgang und lenken den Blick auf Materialien, Motive und Themen. So entstehen überraschende Verbindungen zwischen Werken und Objekten, die auf den ersten Blick wenig gemein haben.

Kulturgut Nottbeck: Die Zukunft der Literatur

Zum 25. Geburtstag richtet das Museum für Westfälische Literatur den Blick nach vorn. Die Jubiläumsausstellung „Die Zukunft der Literatur“ fragt danach, wie sich Literatur und ihre Vermittlung in den kommenden Jahren verändern könnten. Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz im Schreiben spielen? Gehen traditionelle
Lesergruppen verloren – oder entstehen neue? Welche Chancen haben unabhängige Verlage – und wie lässt sich Literatur heute im Museum zeigen? Die Ausstellung greift diese Fragen in unterschiedlichen Formaten auf.