Kunstmuseum Ahlen: Anna & Bernhard Blume

Wenn der Alltag aus den Fugen gerät, wird er bei Anna und Bernhard Blume zur Kunst. Das Künstlerduo aus Westfalen verwandelte in seinen inszenierten Fotografien vertraute Alltagssituationen in absurde, oft komische Szenen und hinterfragte dabei bürgerliche Konventionen, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen. Unter dem Titel „Ein Ding der Unmöglichkeit“ widmet das Kunstmuseum Ahlen dem Werk der beiden eine umfassende Retrospektive mit großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien, Polaroid-Serien, Objekten und Zeichnungen. Erstmals treten ihre Arbeiten in einen Dialog mit zeitgenössischen Videowerken, die ähnliche Fragen nach Identität, Wirklichkeit und der Macht der Bilder aufgreifen.

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop: Longing for Trust

Wem vertrauen wir und was geschieht, wenn dieses Vertrauen erschüttert wird? Die Ausstellung „Longing for Trust“ im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop beschäftigt sich mit einem Grundpfeiler unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler seit den späten 1950er Jahren, darunter Marina Abramović und Ulay, Hans Haacke, Martin Kippenberger, Yoko Ono und Andreas Siekmann, beleuchten unterschiedliche Facetten von Vertrauen. Die Arbeiten zeigen, wie Vertrauen entsteht, auf die Probe gestellt oder durch Macht und Kontrolle beeinflusst wird. Damit greift die Ausstellung ein Thema auf, das angesichts gesellschaftlicher Unsicherheiten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Kunsthalle Dortmund: Industrial – Seidenstraßen 3000

Die Neue Seidenstraße verbindet China mit Europa und verändert weltweit Handelswege, Arbeitsbedingungen und Lebensräume. Die Ausstellung „Industrial: Seidenstraßen 3000“ in der Kunsthalle Dortmund untersucht die Auswirkungen dieses globalen Netzwerks aus künstlerischer Perspektive. 23 Künstlerinnen und Künstler aus 16 Ländern beschäftigen sich in Fotografien, Filmen, Videos und Installationen mit den Menschen und Orten entlang der Handelsrouten. Dabei geht es um Migration, wirtschaftlichen Strukturwandel und geopolitische Veränderungen ebenso wie um die oft unsichtbaren Bedingungen globaler Produktion. Auch die Ausstellungsarchitektur greift die Ästhetik internationaler Warenströme auf.

Museum Ostwall: let’s talk. sprechen über kUNSt

Wie kommen Menschen trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten miteinander ins Gespräch? Mit „let’s talk. sprechen über kUNSt“ widmet das Museum Ostwall im Dortmunder U seine neue Sammlungspräsentation dem gesellschaftlichen Miteinander. Werke von Paula Modersohn-Becker, August Macke, Gabriele Münter, Wolf Vostell, Nan Goldin und Wolfgang Tillmans treten in einen Dialog über Beziehungen, Konflikte und Zugehörigkeit. Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst aus mehr als einem Jahrhundert eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf unser Zusammenleben. Interaktive Stationen laden dazu ein, selbst aktiv zu werden und die Ausstellung mitzugestalten.

Kunsthaus Kloster Gravenhorst: Yoana Tuzharova

Leuchtende Formen, intensive Farben und geheimnisvolle Schatten prägen das diesjährige „Winterlicht“ im Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Die Künstlerin Yoana Tuzharova gestaltet unter dem Titel „as many sunrises and sunsets as places to be“ eine begehbare Landschaft aus skulpturalen Objekten und Licht. Ihre Installation spielt mit vertrauten Zeichen und unserer Wahrnehmung von Formen, die je nach Beleuchtung unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Damit setzt Tuzharova die seit 2008 bestehende Ausstellungsreihe fort, die jeden Winter zeitgenössische Lichtkunst in die historische Klosterarchitektur bringt.

Museum Haus Opherdicke: Blühende Oasen

Mit „Blühende Oasen“ präsentiert das Museum Haus Opherdicke Werke aus der bedeutenden Kunstsammlung von Frank Brabant. Im Mittelpunkt stehen Bilder, die sich mit Naturräumen und ihrer Nutzung durch den Menschen beschäftigen. Die Ausstellung vereint bekannte und weniger bekannte Künstler und eröffnet neue Perspektiven auf unterschiedliche künstlerische Handschriften. Brabant, der seine Sammlung seit den 1960er-Jahren aufbaute, gilt als leidenschaftlicher Förderer insbesondere jener Künstler, die während des Nationalsozialismus als Vertreter der sogenannten „verlorenen Generation“ verfolgt oder vergessen wurden. Seine Sammlung umfasst heute rund 700 Kunstwerke.

Galerie Lengershaus: Aleš Sobota

Licht und Schatten, Bewegung und Ruhe: Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Aleš Sobota leben von ungewöhnlichen Perspektiven und spannungsvollen Bildkompositionen. Unter dem Titel „Dazwischen“ präsentiert die Galerie Lengershaus Arbeiten aus den Jahren 1980 bis 2026. Der 1951 in Tschechien geborene Fotograf hält flüchtige Augenblicke fest und verleiht ihnen durch die Wahl von Ausschnitt und Perspektive eine neue Ordnung. Architektur, Landschaften und Menschen begegnen sich dabei in mitunter surreal wirkenden Konstellationen. Auch Erfahrungen aus seinem Berufsalltag als Arzt und Beobachtungen seiner Familie finden Eingang in seine fotografische Arbeit.

Kunsthalle Lingen: Ishmat Habib

Mit dem Lingener Kunstpreis 2026 wird der indonesische Künstler Ishmat Habib ausgezeichnet. Die damit verbundene Ausstellung „Codex“ in der Kunsthalle Lingen ist seine erste institutionelle Einzelausstellung. In seinen expressiven Gemälden entwickeln Landschaften und Pflanzen ein Eigenleben und verbinden sich mit spirituellen Vorstellungen aus der javanischen Philosophie. Habib, der 1998 in Bantul geboren wurde und heute in Berlin lebt, greift dabei auch gesellschaftliche Fragen nach Machtverhältnissen, Migration und der Zerstörung natürlicher Lebensräume auf. So entsteht eine vielschichtige Bildwelt zwischen kultureller Überlieferung und gegenwärtiger Erfahrung.

Draiflessen Collection: Erinnerungen aufschlagen

Private Fotoalben bewahren Erinnerungen – und erzählen zugleich immer nur eine Auswahl der Vergangenheit. Die Ausstellung „Erinnerungen aufschlagen“ in der Draiflessen Collection stellt 17 historische Alben aus dem Umfeld der Familie Brenninkmeijer zeitgenössischen künstlerischen Positionen gegenüber. Fotografien von Familienfesten, Reisen und Kindheit treffen auf Werke, die nach Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und kulturellen Konventionen fragen. So wird das Fotoalbum selbst zum Gegenstand der Betrachtung und zum Spiegel dafür, wie Bilder unsere persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Vergangenheit prägen.

Städtische Galerie Paderborn: Johanna Reich

Was verändert sich, wenn künstliche Intelligenz zunehmend unsere Sprache formuliert und Bedeutungen erzeugt? Johanna Reich geht dieser Frage in „Élthyris – Der Klang des Ungesagten“ nach und verbindet dabei Malerei, sinnliche Wahrnehmung und maschinelle Sprachproduktion. Gemeinsam mit einer KI entwickelte die Künstlerin die eigene Sprache Hynitha, die ihre Bilder in Worte übersetzt und daraus Gedichte verfasst. Die Ausstellung fragt damit auch, wer künftig unsere Sprache gestaltet und wie sich unser Verhältnis zur Welt verändert, wenn Maschinen zunehmend das Sprechen und Schreiben übernehmen.