Räume hautnah – Dynamische Mensch-Raum-Bezüge
Draiflessen Collection
Absalon. Cellule n°4. 1991. © Estate Absalon/Cnap. Foto: Yves Chenot
Do Ho Suh. Blueprint. 2014. © Do Ho Suh. Image courtesy the artist and Lehmann Maupin, New York, Seoul, London
AUSGABE 2/2024 – Autorin: Mona Eilers
In den eigenen vier Wänden kann man sich austoben, der Raum lässt sich mit der eigenen Persönlichkeit füllen, er wird zur Verwirklichung des Selbst. Nicht nur der Mensch verändert seinen (Wohn-)Raum, auch umgekehrt determiniert die Umgebung das Befinden von Personen; dem geht etwa die Architekturpsychologie nach. Raum ist identitätsstiftend, Raum ist politisch, Raum ist Kultur. Nicht umsonst wird Architektur als „dritte Haut“ betitelt, ebenso wie die Kleidung, die „zweite Haut“, als Medium des Austauschs des Selbst mit dem Außen verstanden wird. Egal wie hoch die Mauern oder wie dick die Wände sind, unser Umraum tritt näher an uns heran, als wir denken. Mit Werken von acht Kunstschaffenden fühlt sich die Ausstellung „Räume hautnah“ in der Draiflessen Collection in das Wechselverhältnis von Mensch und Raum ein.
Welche Merkmale müssen Räume erfüllen, damit sie den individuellen Bedürfnissen seiner Bewohnerinnen und Bewohner gerecht werden? Wann bieten sie Schutz, wann engen sie ein? Diesen und weiteren Fragen geht die Ausstellung nach. Denn ein Büro, ein Atelier oder ein Schlafzimmer sind mehr als vier Wände aus Beton, Stein oder Rigips, sie schenken Lebensraum. Räume sind nicht isoliert vom Menschen, sondern dynamisch mit ihm verbunden. Ebenso wie sich die Lebensrealität mit der Zeit verändert, wandeln sich auch Wohnkonzepte und Raumdesigns. Was derlei Verschiebungen seit dem frühen 20. Jahrhundert bis heute ausmacht und welche Anforderungen zukünftig wohl an Räume gestellt werden, wird ebenso in der Ausstellung erforscht. Auch biografisch basierte Arbeiten sind zu sehen, so etwa vom Künstler Do Ho Suh, der in Korea geboren wurde und aktuell in London lebt. Seine Werke erörtern Themen wie Heimat, Migration und Erinnerung. Wie erinnern wir uns an Räume, wie beeinflusst die Abwesenheit von vertrauten Räumen das eigene Empfinden? Daneben sind auch die Medien Fotografie und Film, Malerei, Installation und Weberei in der Ausstellung vertreten – letzteres spannt den Faden zur Metapher des Raums als sogenannte dritte Haut. Neben Do Ho Suh werden Arbeiten von Absalon, Shannon Bool, Heidi Bucher, Eileen Gray, Mary Mattingly, Tracey Snelling und Francesca Woodman in der Ausstellung gezeigt.
Räume hautnah
28.04.–04.08.24
Draiflessen Collection
Georgstraße 18
49497 Mettingen
Mi–So 11–17 Uhr
www.draiflessen.com
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