Der Faden als Symbol, Metapher, Modell, Medium
Draiflessen Collection
Rosa Loy. Drei Strickerinnen. 2018. © VG Bild-Kunst, Bonn 2023. Courtesy Galerie Kleindienst, Leipzig/Hendrik Hemke, Neuss. Foto: Uwe Walter
Eva Hesse. Ohne Titel (Teststücke). 1969. © The Estate of Eva Hesse. Courtesy Hauser & Wirth. Foto: Thomas Müller
AUSGABE 4/2023 – Autorin: Birgit Schlepütz
Fäden sind mehr als simples Material. Sie knüpfen Verbindungen, verknüpfen Schicksale und stehen für die Kraft, den eigenen Lebensfaden selbst zu spinnen. Sie begegnen uns als Metaphern, Modelle oder Medien, in Mythen, in der Sprache und auch in der Kunst. Die Ausstellung „FÄDEN“ in der Draiflessen Collection widmet sich diesen symbolischen Bedeutungen. Sie zeigt Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, historische Darstellungen griechisch-römischer Mythen sowie Werkzeuge des Spinnens. Sie will damit Brücken schlagen von der Antike über das Jetzt in ein mögliches Morgen – und dadurch Denk- und Assoziationsräume erzeugen, die sich zwischen Schicksal und Verantwortung, Vertrauen und Skepsis, Macht und Ohnmacht sowie Individualität und Kollektivität bewegen.
Wer ist nicht mit anderen verwoben? Was passiert, wenn man den Faden verliert oder die Fäden nicht mehr in der Hand hält? Was, wenn das Leben am seidenen Faden hängt? Fäden sind faszinierende und vielseitige Objekte, die die Vorstellungskraft der Menschen seit jeher angeregt haben – begonnen bei ihrer formalen Bedeutung als Garn mit Anfang und Ende über ihre Stabilität, Flexibilität und Beweglichkeit bis hin zu ihrer metaphorischen Bedeutung und ihrer Verwendung in mythologischen Erzählungen und der bildenden Kunst. So etwa das Aquarell „die Strickerinnen“ von Rosa Loy, deren Interesse dem überlieferten Wissen der Frauen, der neuen Weiblichkeit und der damit verbundenen Mysterienschule gilt. Oder auch die titellose Arbeit der US-Amerikanerin Eva Hesse, die mit Glasfaser, Polyester oder Latex Materialien verarbeitete, die zuvor im Kontext der Kunst keine Verwendung gefunden hatten. Die gezeigten Werke stammen von Magdalena Abakanowicz (1930–2017), Louise Bourgeois (1911–2010), Jeongmoon Choi (*1966), Alphonse–Victor Colas (1818–1887), Vincenz Grüner (1771–1832), Eva Hesse (1936–1970), Maria Lai (1919–2013), Rosa Loy (1958), Cesare Nebbia (1536–1614), Vanessa Oppenhoff (*1971), Crispijn van de Passe (1564–1637), Antonio Tempesta (1555–1630), Rosemarie Trockel (*1952) und Heike Weber (*1962).
Fäden. Material – Mythen – Symbole
15.10.23–25.02.24
Draiflessen Collection
Georgstraße 18
49497 Mettingen
Mi–So 11–17 Uhr
www.draiflessen.com
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