Stadtmuseum Münster

Salzstraße 28 | 48143 Münster

Gunda Scheel. Montegufoni. 1991

Gunda Scheel. Stichsäge. 1998

Die Ästhetik des Alltäglichen

Gunda Scheels fotografische Arbeiten

Anna Thiemann – Manche Werke der in Düsseldorf geborenen und mittlerweile in Münster beheimateten Gunda Scheel wirken wie fotorealistische Stillleben, dabei handelt es sich nicht um exakte Zeichnungen, sondern um Schwarzweißfotografien. Sicherlich ist es kein Zufall, dass Scheel als studierte Grafikerin, die am Ende ihrer kunstakademischen Ausbildung die Fotografie für sich entdeckte, mit den historisch verwandten Kunsttraditionen spielt. Bereits der Erfinder der Fotografie, Nicéphore Niépce, ließ sich bei seinen Experimenten von Stilen und Motiven der Malerei inspirieren und hatte das Lichtbild zunächst als Hilfsmittel für die Herstellung von Lithografien entwickelt.

In den folgenden zwei Jahrhunderten hat sich das Verhältnis von Grafik und Fotografie radikal verändert. Heute ist die Fotografie allgegenwärtig und digitale Programme und Apps bieten scheinbar unendliche Bearbeitungsmöglichkeiten, unter denen sich die ‚Verwandlung’ von Fotografien in Zeichnungen wachsender Beliebtheit erfreut. Die Künstlerin Gunda Scheel tritt in deutliche Distanz zu diesen technischen Spielereien, indem sie auf die traditionelle analoge Fototechnik zurückgreift. Ihr bevorzugtes Arbeitsgerät ist eine schwedische Hasselblad, eine einäugige Spiegelreflexkamera mit quadratischer Platte für große Negativformate, die einen medialen Rahmen für ihre Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten schafft. Gunda Scheels faszinierende Bildkompositionen sind das Ergebnis einer feinen Beobachtungsgabe und bewusster künstlerischer Entscheidungen. Durch die Transformation von Farbhelligkeit in Graustufen, die Modellierung von Objekten durch Licht, Schatten und Spiegelungen und die Wahl ungewöhnlicher Perspektiven und Bildausschnitte entsteht weit mehr als eine vermeintlich realistische Darstellung der Außenwelt. Mithilfe der Apparatur schafft die Künstlerin im Bild eine neue, ästhetisierte, mitunter abstrakte Wirklichkeit, in der Alltagsgegenstände und -szenerien ungewöhnliche Formen annehmen und eine beinahe unheimliche Wirkung entfalten.

bis 08.11.20

Stadtmuseum Münster
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