LWL-Museum für Kunst und Kultur: Eine Frage der Herkunft

Forschungen zur NS-Raubkunst

Karl Schmidt Rottluff. Frau mit verbundenem Kopf. 1920. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020. Foto: LWL/Sabine Ahlbrand Dornseif

Lovis Corinth. Königsberger Marzipantorte. 1924. Foto: LWL/Sabine Ahlbrand Dornseif

Von Birgit Schlepütz – Szenarien zum Eigentums- oder Besitzwechsel von Kunstwerken gibt es viele: Vererbung, Scheidung, Sterbefälle, Tauschgeschäfte, Geldnot, Beschlagnahmung, Raub. Um die Biografie eines Kunstwerks und seine rechtmäßigen Eigentümer zu kennen, gehört in Deutschland notwendigerweise die Forschung zu dessen Verbleib zwischen 1933 und 1945. Wurde es den Besitzern möglicherweise unrechtmäßig durch das NS-Regime entzogen? In wessen Hände gelangte es nach dem Krieg? Und: Lassen sich die rechtmäßigen Besitzer ermitteln? Das LWL-Museum für Kunst und Kultur untersucht die Herkunft seiner Ankäufe systematisch und wissenschaftlich. Die aktuelle Ausstellung ermöglicht Einblicke in die teils detektivische Arbeit der Provenienzforscher.

1936 hatte das damalige Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auf einer Auktion eine Renaissancetruhe erworben. 2015 stand fest, dass ein jüdisches Ehepaar sie bei seiner Flucht aus Deutschland zurücklassen musste. Das Museum gab die Truhe an die Nachfahren zurück und erwarb sie wieder neu. Seither steht die Herkunft von Kunstwerken, die vor 1945 entstanden und ab 1933 in die Sammlung des Museums gelangten, dort auf dem Prüfstand. Dabei entstehen Biografien von Kunstwerken, die den Forschern über ihre kunsthistorische Kenntnis hinaus erhebliches detektivisches Gespür abverlangen. Denn während die Objekte wieder in Umlauf gelangten, wurde das Wissen um ihre Herkunft und ihre rechtmäßigen Besitzer zunächst verschwiegen und später vergessen. Die Ausstellung visualisiert nun mit Hilfe von Zeitstrahlen, Fotos, Briefen oder Ausstellungs- und Auktionskatalogen das, was man über die Lebensläufe ausgewählter Kunstwerke herausfinden konnte. Von Lovis Corinths „Königsberger Marzipantorte“ bis zu Karl Schmidt-Rottluffs „Frau mit verbundenem Kopf“. Geklärte Provenienzen sind zu sehen, aber auch offene Fälle bis hin zur einer als bedenklich einzustufenden Herkunft der „Getreideernte“ (1874) von Max Liebermann.

LWL-Museum für Kunst und Kultur
Eine Frage der Herkunft
bis 08.01.21

Domplatz 10
48143 Münster
Tel. 0251-590701
Di–So 10–18 Uhr
www.lwl-museum-kunst-kultur.de