Museum für Lackkunst

Windthorststr. 26 | 48143 Münster

Akatsuka Jitoku (1871–1936). Kaiserliche Präsentdose mit Enzian-Dekor. Privatsammlung Jan Dees & René van der Star

Kōmo Tōzan (1882–1955). Schreibkasten mit Auberginen-Dekor. Privatsammlung Jan Dees & René van der Star

Jenseits von Tradition und Moderne

Japans Lackkunst nach 1900

Von Anna Thiemann  Gesellschaftliche Umbrüche im Japan des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts stürzten die Lackkunst in eine Existenzkrise und fungierten zugleich als Motor ihrer institutionellen, technischen und stilistischen Erneuerung. An die Stelle von traditionellen Lackmeisterfamilien, Werkstätten und fürstlichen Mäzenen traten Kunstakademien, Museen und Vereine, die sich fortan mit öffentlicher Unterstützung um die Förderung der Lackkunst bemühten. Auch der kulturelle Austausch mit Europa und den USA begünstigte den Neuanfang. So wurde die japanische Lackkunst auf den Weltausstellungen in Wien (1873) und Paris (1900) viel beachtet und kontrovers diskutiert, woraufhin auch das Interesse ausländischer Sammler sprunghaft anstieg.

Während einzelne Künstler wie Akatsuka Jitoku zu Ruhm gelangten, entwickelte sich eine Massenproduktion für den Export. Überdies veränderte sich die Nachfrage im Inland, da sich der Lebensstil und Geschmack der japanischen Oberschicht zunehmend an westlichen Vorbildern orientierten. In diese Zeit fiel auch die Einrichtung von chemischen Forschungsstätten, die neue Techniken, Materialien und Pigmente entwickelten. So gelang es etwa, die Farbpalette der Lackkünstler, die bisher auf Schwarz, Braun, Rot, Gelb und Grün begrenzt gewesen war, um die Nuancen Weiß, Blau, Violett und Orange zu erweitern. Die Entstehung neuer Stile und Motive wurde durch die Wiederentdeckung der japanischen Volkskunst in den zwanziger Jahren und die experimentelle Rückbesinnung auf japanische Formen und Dekore nach 1945 gefördert. Diese Renaissance ebnete schließlich den Weg für eine gänzlich neue japanische Lackkunst, die die Zwänge der eigenen Traditionen und den Einfluss der westlichen Moderne hinter sich lassen konnte. Das Lackmuseum Münster und das Rijksmuseum Amsterdam haben zu diesen hochkomplexen und spannungsreichen Entwicklungen eine eindrucksvolle Sonderausstellung mit nahezu 70 Exponaten konzipiert, die zuerst in Münster Station macht.

bis 14.06.20

Museum für Lackkunst
Windthorststr. 26
48143 Münster
Tel. 0251-4185122
Di 12–20, Mi–So 12–18 Uhr