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LWL Museum für Kunst und Kultur

Hülle und Kern

Multiples von Joseph Beuys

Joseph Beuys vertrat die Auffassung, jeder Mensch sei ein Künstler, da politisches und gesellschaftliches Handeln im Sinne des Gemeinwohls jeden zum Schöpfer einer sozialen Plastik mache. 1977 präsentierte er im Lichthof des LWL-Museums für Kunst und Kultur anlässlich der ersten Skulptur Projekte Münster seine Arbeit „Unschlitt“. An gleicher Stelle ist nun ab Ende November eine Auswahl von Multiples zu sehen, die von den Grundzügen seiner künstlerischen Auseinandersetzung erzählen. Die Auflagenobjekte sind Teil einer umfangreichen Schenkung des Sammlerpaares Ingrid und Manfred Rotert.

Als künstlerische Arbeiten entsprechen „Multiples“ nicht nur Joseph Beuys’ eigenem, demokratischen Kunstverständnis. Indem er Postkarten, Fotografien, Grafiken und andere Objekte in größerer Auflage und für ein breiteres Publikum erschuf, trug er seine Ideen in die Lebenswelt der Menschen, erweiterte eo ipso den Kunstbegriff und revolutionierte damit in den 1960er-Jahren das Kunstverständnis seiner Zeit. Die Ausstellung zeigt unter anderem Arbeiten, die zu zentralen Themen und Materialien in Beuys Werk führen: die auf Gegenseitigkeit angewiesene Kommunikation zwischen den Menschen und dem Filz als Wärmespeicher sowie als Metapher für Kreativität und gestalterischen Willen. So verweist das „Telephon S—3“, verdichtet in der elementaren Form eines aus zwei Blechdosen bestehenden Kindertelefons, bereits im Titel auf die Notwendigkeit eines Senders und eines ihm zugewandten Empfängers. An anderer Stelle dann ein Filz-anzug, über den der Künstler selbst sagte, er sei einerseits ein Haus und eine Höhle, die den Menschen nach außen abschirme, darüber hinaus aber ebenso ein Zeichen für die Isolation des Menschen in unserer Zeit. Auch die „Capri-Batterie“, mit der Beuys kurz vor seinem Tod ein ikonisches Multiple schuf, ist zu sehen. Eine Zitrone tritt dort als Energiequelle für eine Glühbirne auf und verdeutlicht, dass sämtliche Energie aus der Natur stammt. Das Kunstwerk ist somit auch ein Appell an die Gesellschaft, die Endlichkeit natürlicher Ressourcen zu bedenken und Verantwortung für das ökologische Gleichgewicht zu tragen.  |  Birgit Schlepütz

22.11.18–29.09.19

LWL Museum für Kunst und Kultur  |  Domplatz 10

48143 Münster  |  Tel. 0251-590701  |  Di–So 10–18 Uhr

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